Nizza - EU-Kommissionspräsident Romano Prodi nahm sich bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Chirac kein Blatt vor den Mund. Die EU-Kommission habe sich ehrgeizigere Ziele als die EU-Staats- und Regierungschefs gesetzt, sagte Prodi. Er bedauerte vor allem, dass keine weiterreichenden Entscheidungen zur Ausdehnung der Mehrheitsbeschlüsse im Rat auf bestimmte Schlüsselbereiche gefallen seien. Dies sei wegen "unüberwindbarer Veto-Haltungen einiger Länder" nicht möglich gewesen. Für die EU-Kommission übernahm Prodi die Garantie, dass sie alles tun werde, um ihre "Rolle als Motor und Impulsgeber" in der europäischen Politik zu behalten. Die EU habe die Voraussetzungen für die Erweiterung geschaffen. Manche Beitritte könnten rascher kommen, als heute erwartet. Chirac betonte, dass die EU die Tür für neue Mitglieder ab Anfang 2003 offen halten werde. Es gebe keine "Überbleibsel" von Nizza, die später entschieden werden müssten, sagte Prodi. Ebenso wie Chirac begrüßte er, dass die verstärkte Zusammenarbeit integrationswilligerer Staaten nun in den EU-Vertrag aufgenommen sei. Der französische Premier Lionel Jospin sagte: "Ich freue mich für Europa und für Frankreich". Frankreich sei seiner Verantwortung gerecht geworden. Trotz der sehr unterschiedlichen nationalen Interessen sei es mit Hilfe der EU-Kommission gelungen, ein Gesamtpaket der Reformen zu schnüren. Auch wenn nicht alle Ziele erreicht werden konnten, ein Scheitern wäre schlimmer gewesen. (APA)