Jerusalem/Beirut - Der israelische Generalstabschef Shaul Mofaz hat am Dienstag Kontakte unter deutscher Vermittlung zwischen Israel und der pro-iranischen Schiiten-Organisation Hisbollah ("Partei Gottes") im Libanon wegen eines Gefangenenaustausches bestätigt. Mofaz sagte allerdings nach Rundfunkberichten in Jerusalem, man könne noch nicht von Verhandlungen sprechen. Ein Hisbollah-Sprecher hatte am Montag in Beirut gesagt, der Austausch könnte bereits in den nächsten zehn Tagen stattfinden. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte bei seinen Besuchen in Israel und im Libanon Mitte Oktober deutsche Vermittlung angeboten. Die Hisbollah hatte im Oktober drei israelische Soldaten entführt und kurz darauf einen als Geheimdienstagenten bezeichneten Oberst der Reserve in ihre Gewalt gebracht. Im Dezember 1999 waren durch Vermittlung des deutschen Bundesnachrichtendienstes fünf Hisbollah-Gefangene aus Israel mit einer Lufthansa-Maschine über Frankfurt nach Beirut ausgeflogen worden. Obeid und Dirani ohne Verfahren im Gefängnis Die Hisbollah verlangt insbesondere die Freilassung der Schiitenführer Scheich Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani. Obeid war 1989 und Dirani 1994 von israelischen Kommandos aus dem Libanon entführt worden. Die beiden Männer sitzen ohne Gerichtsverfahren in israelischen Gefängnissen. Die Überstellung der beiden 1989 bzw. 1994 aus dem Libanon entführten Hisbollah-Führer sei "Teil des Preises", den Israel zahlen müsse, sagte Vize-Verteidigungsminister Ephraim Sneh am Dienstag im israelischen Rundfunk. Zugleich bestätigte er Informationen, wonach die Vermittlung deutscher Stellen einen Gefangenenaustausch in den kommenden zehn Tagen möglich machen könnte. Der Iran wollte im Austausch für die israelischen Soldaten die Freilassung von vier in israelischen Gefängnissen sitzenden iranischen Diplomaten fordern. Das hatte der iranische Außenminister Kamal Kharrazi nach einem Kurzbesuch in Beirut erklärt. Die vier iranischen Diplomaten waren 1982 im nördlichen Libanon von den damals mit Israel verbündeten, inzwischen aufgelösten christlichen Rechtsmilizen "Forces libanaises" (FL) entführt worden. (APA/dpa)