Wien - Gemeinsam mit dem designierten Festwochen-Intendanten Luc Bondy hat Christoph Schlingensief am Mittwochabend im Wiener Schauspielhaus "Schlingensiefs Ausländer raus", das in der Edition Suhrkamp erschienene Buch zu seiner so heftig umstrittenen, bei den heurigen Wiener Festwochen realisierten Freilicht-Aufführung "Bitte liebt Österreich", vorgestellt. "Die müssen zuerst mal was machen" "Ich werde Christoph bitten, sich wieder etwas auszudenken", sagte Bondy in seinen einleitenden Worten. Schlingensief werde "öfters da sein und ich hoffe, mit genauso guten Ideen". Er freue sich, so Bondy, dass durch das Buch die heurigen Festwochen "bis in den Dezember hinein wirken". Das zeige auch eine Auseinandersetzung, die er am Mittwoch im Festwochen-Beirat gehabt habe, wo er in Anspielung auf die Container-Aktion vor der Wiener Staatsoper gefragt worden sei, ob die Zukunft der Festwochen so aussehen solle. Diese Frage habe er bejaht, "so lange dieses Land so in sich ruht". Dass Schlingensief nicht zu der nächstjährigen Ausgabe des Wiener Kulturfestivals eingeladen werde, dessen Programm Bondy am Mittwoch vormittag vorgestellt hatte, liege daran, dass die Wirkung des Projektes so stark gewesen sei, dass man nicht so schnell wieder ein neues machen solle. "Ohne dich wäre die Sache nicht möglich gewesen", streute Schlingensief Bondy Rosen. Über ein neues mögliches Projekt müsse er "erst mal schlafen". "Die müssen zuerst mal was machen, ich kann ja nix selber machen", erklärte der Regisseur, der gleichermaßen großspurig wie augenzwinkernd "die ersten Einbrüche der FPÖ" unter anderem sich und Bondy "auf die Fahne schreibt". Neunzig pausenlose Minuten Mit Musik unterlegt sowie kunst- und gesellschaftstheoretischen Ausführungen ergänzt las Schlingensief über neunzig Minuten non-stop u.a. Passagen über die Standortsuche für den Container und über eine während der Aktion im Juni ausgestrahlte "ZiB 3"-Sendung, an der u.a. Schlingensief und die Kultursprecherin der Wiener FPÖ, Heidemarie Unterreiner - "eine wunderbare Frau, ich weiß gar nicht, was aus der geworden ist" - teilgenommen hatten. Schlingensief - "ich bin ein großer Verfechter der Peinlichkeit" - sprach noch über seine neue, auf dem Musiksender MTV ausgestrahlte Fernsehshow "U3000" und seine Theaterpläne. So wolle er an seinem Katalog an klassischen Stücken arbeiten und "Hamlet" an Christoph Marthalers Züricher Schauspielhaus probieren, und mit einem "Theater der Inflation", bei dem zwölf Theaterstücke in zwölf Wochen inszeniert werden und auf Tour gehen sollen, dem Begriff "Inflation" ein Bild geben. Zudem spiele er mit dem Gedanken der Gründung einer "übergreifenden" ("aus Deutschland nach Österreich") "Partei der Gesellschaft der Liebeskranken", die aus einer im Jänner an der Berliner Volksbühne geplanten "Show für Liebeskranke" hervorgehen soll. (APA)