Wien - Heftige Kritik am Vorstoß von Sozial- und Frauenministerin Herbert Haupt (F) zur Fristverkürzung bei der so genannten Eugenischen Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch gab es Donnerstag im Wiener Gemeinderat. Anlass war die aktuelle Stunde unter dem Titel "Helfen statt strafen - Hände weg von der Fristenlösung", die auf Vorschlag der Wiener Sozialdemokraten abgehalten wurde. Die österreichischen Frauen hätten lange für die für die im Jahr 1975 eingeführte Fristenlösung kämpfen müssen, betonte SP-Gemeinderätin Martina Ludwig (S), die auch die auf der ZuhörerInnen-Galerie anwesende Ex-Frauenministerin Johanna Dohnal begrüßte. Nun sei es wieder notwendig, die von Dohnal miterkämpfte Fristenlösung auf die Tagesordnung zu setzen. Haupt benutze die Eugenische Indikation als Aufhänger, um die Fristenlösung in Frage zu stellen und "Schritt für Schritt das Rad der Zeit zurückzudrehen", so Ludwig: "Es geht nicht um die eugenische Indikation, es geht um die Entmündigung der Frauen in Österreich." Statt die Frauen zu kriminalisieren und ihnen die Chance auf Selbstentscheidung zu nehmen, sollte "Helfen statt Strafen" im Vordergrund stehen. "Wenn Haupt beginnt, sich den Kopf zu zerbrechen, dann zerbrechen die Frauen daran", sagte die SP-Gemeinderätin. Emotional reagierte VP-Gemeinderat Franz Karl. Er selbst sei Vater eines behinderten Kindes gewesen, das mit vier Jahren an Muskelschwund gestorben sei. Mit dem Slogan "Helfen statt Strafen" könne er sich hundertprozentig identifizieren, er sage aber "Nein" zu "Töten statt Lieben". Die Eugenische Indikation widerspreche nicht nur dem in der Bundesverfassung verankerten Diskriminierungsverbot behinderter Menschen, sie wecke auch Erinnerungen an die NS-Zeit. Wert Die Eugenische Indikation sei nicht nur Behinderten feindlich, sie drücke auch "die Verachtung des Wertes des menschlichen Lebens" aus, meinte FP-Stadträtin Karin Landauer. Der Vorschlag Haupts ziele keineswegs auf die Fristenlösung im Ganzen ab, aber "es kann nicht angehen, dass behindertes Leben weniger wert ist." Einen Trend zum Auseinanderdividieren der Gesellschaft ortete die Grüne Gemeinderätin Alessandra Kunz in der aktuellen Diskussion. Über die Eugenische Indikation werde diskutiert, für Binderte habe die Regierung allerdings bis heute nichts getan. "Dass wir einen Herrn Frauenminister haben ist schlimm genug. Jetzt denkt er auch noch über eines der sensibelsten Frauenthemen nach", kritisierte Gabriele Hecht vom LIF. Die Abtreibung sei zwar die schlechteste Lösung für eine ungewollte Schwangerschaft, die Fristenlösung sehe sie aber bis heute als "sehr guten Kompromiss". Hecht: "Es darf keinen zusätzlichen Druck auf Frauen geben, die ohnehin in einer Krisensituation stehen." (APA)