Wien - Der Kreditschutzverband (KSV) wird die Insolvenzzahlen für das Jahr 2000 erst nächste Woche bekannt geben. Aber schon am Donnerstag signalisierte KSV-Geschäftsführer Klaus Hierzenberger einen deutlichen Rückgang der Pleiten. Ein gewichtiger Grund dafür sei - neben der guten Konjunktur - der wachsende Einsatz des Internets im KSV, der Unternehmen einen schnelleren Zugang zu aktuellen Informationen bei Bonitätsauskünften bietet, sagten Hierzenberger und seine Kollegin Martina Dobringer bei einem Pressegespräch. Dort wurde der neue KSV-Präsident Alfred Ötsch, Vorstandsmitglied von Siemens Österreich, vorgestellt, der nach elf Jahren dem scheidenden Horst Höller nachfolgt. Höller wurde von seinem Arbeitgeber, dem US-Konzern 3M, als Regionalchef für Nahost nach Dubai versetzt.

Schon jetzt verwenden 70 Prozent der rund 20.000 KSV-Mitglieder das Internet, wenn sie sich über die Kreditwürdigkeit von bestehenden oder möglichen Geschäftspartnern erkundigen. Das Internet erlaube nicht nur einen leichteren und bequemeren Zugang und reduziere damit das Risiko für die Unternehmen, sondern eröffne auch neue Informationsquellen für den KSV, sagte Dobringer. "Jeder Zugriff verbessert unser Frühwarnsystem, denn wenn es plötzlich viele Anfragen gibt, so ist das häufig ein Alarmzeichen." 6,5 Millionen Zugriffe auf die KSV-Datenbanken habe es im Vorjahr gegeben.

Wenn eine Firma rechtzeitig von den Problemen eines Geschäftspartners weiß, kann sie sich vor einer Folgeinsolvenz schützen. "Es handelt jeder fahrlässig, der sich nicht rechtzeitig informiert", betonte Ötsch, der seine Rolle mit der eines Aufsichtsratspräsidenten vergleicht.

Der KSV will auch die heimische Datenbank mit seinen weit reichenden Beteiligungen in Osteuropa, die er gemeinsam mit der französischen Coface halten wird, zunehmend durch E-Business-Lösungen vernetzen, in Westeuropa sei dies bereits durch das Eurogate-System geschehen, so Dobringer. (ef, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 15. 12 . 2000)