Wien - Im Vergleich zum Vorjahr wird die heurige Bilanz über positive Asylentscheidungen wieder mager aussehen: Von Jänner bis Oktober 2000 gab es 15.226 Asylanträge; lediglich 302 Flüchtlinge bekamen "echtes" Asyl. Ihre positiven Bescheide wurden auf 497 Ehepartner und Kinder ausgedehnt - insgesamt 799 anerkannte Flüchtlinge. Im ganzen Jahr 1999 waren es viermal so viele gewesen. "Das Vorjahr war aber wegen der Kosovo-Krise eine humanitäre Ausnahme", sagt Michael Genner von der privaten Hilfsorganisation "Asyl in Not". Was sich in der Rekordzahl von rund 3200 anerkannten Flüchtlingen widerspiegelte. Genner: "Der Blick ins Jahr 1998 ist wieder ein trauriger, damals gingen nur knapp 500 Asylanträge durch."

Zehn Prozent aller heuer anerkannten Flüchtlinge wurden von den nur elf, teils ehrenamtlichen Mitarbeitern von "Asyl in Not" betreut. "Es war ein schwieriges Jahr", zieht Genner Bilanz. Auch das Wiener Büro des UNO-Flüchtlingshochkommissars (UNHCR) stellte fest, dass sich die Situation für Asylsuchende in Österreich dramatisch verschlechtert habe. Vor allem die unzulängliche Bundesbetreuung gefährde faire Asylverfahren. Nur einem Drittel aller Asylwerber wird staatliche Betreuung (Unterkunft, Krankenversicherung und Taschengeld) gewährt. (simo/DER STANDARD Print-Ausgabe, 15.12.2000)
Spendenkonto: "Asyl in Not", Bank Austria 698 035 557