Der Gewerbeverein, eine einflussreiche Organisation der mittelständischen Wirtschaft, macht sich Sorgen um die Universitäten. Unter den Gründern neuer Unternehmen seien zu wenig Akademiker. Wer ist schuld? Laut Gewerbeverein einzig und allein die Universitäten. Erstaunlich die Begründungen. Österreichs Unis hätten "sehr wenig Unternehmensorientierung in den Lehrplänen", sie müssten "ihre Absolventen unternehmertauglich machen und nicht zum pragmatisierten Beamtendasein motivieren". In dieser Sicht der Unis steckt ein riesiges Missverständnis. Sie werden mit Schulen verglichen, die Lehrpläne haben und für Berufe ausbilden. Was hier formuliert wird, ist die Beschreibung einer HTL, allenfalls noch einer Fachhochschule. Was sind Universitäten? Weil sie eine forschungsgeleitete Lehre forcieren müssen, können und dürfen sie nicht den jeweiligen "Bedarf" zur obersten Deck- und Denkmethode machen. Sie bilden Leute aus, welche über die neuesten wissenschaftlichen Methoden zur Entwicklung von Berufsfeldern verfügen. Deshalb wäre es fatal, das Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre zu verwässern. Die Position des Gewerbevereins wäre nicht so gefährlich, stünde er allein mit seinem Irrglauben da. Leider entspricht das einer Denkrichtung, die auch von Lorenz Fritz, dem Generalsekretär der Industrie, und anderen Dominatoren der Wirtschaft vertreten wird. Sie halten Studenten für "Kunden". Aktuelle Bedarfsdeckung ist Aufgabe der Fachhochschulen. Die Wirtschaft soll sie massiv unterstützen. Wenn sie die Unis durch falsche Argumente schwächt, wird sie in zehn Jahren erste Quittungen erhalten. Aber dann würde man ohnehin wieder anderen die Schuld geben und nicht den eigenen Fehlern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.12.2000)