London - Frauen, die einen Herzinfarkt erleiden, werden schlechter medizinisch versorgt als Männer. Das Risiko, den Infarkt nicht zu überleben oder einen zweiten zu erleiden, ist bei ihnen deshalb höher als bei männlichen Patienten. Zu diesem Ergebnis kamen ForscherInnen des britischen Royal Hospitals Trust bei der Untersuchung von 1.700 HerzinfarktpatientInnen. Wie der Mediziner Adam Timmis in der Fachzeitschrift American Heart Journal ( www1.mosby.com ) berichtet, beginnt die ungleiche Behandlung bereits auf dem Weg in die Klinik: Nachdem Symptome für einen Herzinfarkt aufgetreten waren, wurden Frauen in der Regel 13 Minuten später ins Krankenhaus eingeliefert als männliche Patienten. 91 Prozent der Männer erhielten dort als Notfallmaßnahme sofort Aspirin, bei den Frauen waren es nur 88 Prozent. Bis die Ärzte damit begannen, mithilfe von Medikamenten Blutpropfen in den Herzgefäßen aufzulösen, vergingen bei weiblichen Patienten durchschnittlich 90 Minuten, bei männlichen Patienten nur 78 Minuten. Bei der Entlassung aus der Klinik stellten die ÄrztInnen für 45 Prozent der Männer ein Rezept über Betablocker aus, aber nur für 32 Prozent der Frauen. Die Unterschiede in der ärztlichen Behandlung von Männern und Frauen tragen nach Ansicht von Timmis zur höheren Sterblichkeitsziffer von weiblichen Herzinfarktpatienten bei: 30 Tage nach dem Infarkt waren nur noch 78 Prozent der Frauen am Leben, aber noch 88 Prozent der Männer. Allgemein lag das Risiko für Frauen, ihren Herzinfarkt nicht zu überleben, um 50 Prozent höher als wie bei männlichen Patienten. In Deutschland erleiden pro Jahr mehr als eine halbe Million Menschen einen Herzinfarkt. (pte)