Kabul - Angesichts befürchteter gewalttätiger Demonstrationen in Afghanistan hat die UNO am Dienstag ihr ausländisches Personal vollständig aus dem westasiatischen Land abgezogen. Der UNO-Sicherheitsrat in New York wollte am Dienstag über weitere Sanktionen gegen die in Kabul regierenden Taliban beraten, die mittlerweile 90 Prozent von Afghanistan kontrollieren. Augenzeugen berichteten, die letzten sechs noch in Kabul verbliebenen UNO-Verantwortlichen hätten die afghanische Hauptstadt mit dem Flugzeug in Richtung Pakistan verlassen. Ein hochrangiger UNO-Mitarbeiter äußerte die Hoffnung auf eine Rückkehr "so früh wie möglich". Die UNO-Sprecherin in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, Stephanie Bunker, sagte, der Taliban-Außenminister Wakil Ahmad Mutawakel habe den Schutz der UNO-Hilfsaktionen zugesichert. Er habe aber zugleich unterstrichen, dass es nach einem entsprechenden Beschluss des UNO-Sicherheitsrats zu spontanen Demonstrationen gegen die Sanktionen kommen könne, weil diese in Afghanistan zu einer "humanitären Katastrophe" führen würden. Umfassendes Waffenembargo Die meisten ausländischen UNO-Angehörigen und Mitarbeiter anderer humanitärer Organisationen hatten Kabul bereits am Wochenende verlassen. Vor allem die ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats USA und Russland treten für ein umfassendes Waffenembargo gegen die radikalislamischen Taliban-Milizen ein, die sie als Drahtzieher des "weltweiten Terrorismus" beschuldigen. Mit weiteren Sanktionen, wie dem Verbot von Auslandsreisen für Führungsmitglieder der Taliban, der Schließung ihrer Verbindungsbüros im Ausland und einer Verschärfung des Flugverbots für die afghanische Fluggesellschaft Adriana, sollen die Machthaber in Kabul gezwungen werden, den Moslemextremisten Osama bin Laden auszuliefern. Die US-Regierung macht den aus Saudiarabien stammenden bin Laden unter anderem für die Anschläge auf US-Botschaften in Kenia und Tansania verantwortlich, bei denen 1998 mehr als 220 Menschen getötet worden waren. Die UNO hatte bereits im November 1999 Sanktionen gegen die Taliban-Milizen verhängt. (APA)