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Foto:Steffen Schmidt/ REUTERS
Frühling im Dezember. Das hatten wir in den mitteleuropäischen Breiten schon lange nicht mehr. Und überhaupt: Das Jahr 2000 wird nicht so sehr als Millenniumsjahr in die Geschichte eingehen, sondern als das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als 200 Jahren. Für den heimischen Tourismus ist das ein schwacher Trost. Zwar freut es die Leute, wenn es wärmer wird im Land, aber der Winter sollte doch ein richtiger Winter sein mit allem, was dazugehört - Schnee, Kälte und auch Frost. Immerhin werden fast sieben von zehn Schillingen, die Ende des Jahres in den Kassen der Hotels und Gastwirtschaften klingeln, im Winter verdient. Jammern unbegründet Dementsprechend laut war das Jammern von Hoteliers und Tourismusmanagern in den vergangenen Wochen. Die meisten Ski-Openings mussten abgesagt, Schneekanonen wegen der zu hohen Temperaturen in Wartestellung gehalten werden. Umsatzminus und Nächtigungsrückgänge wurden an die Wand gemalt. Tourismusforscher Egon Smeral beruhigt: "Wichtig ist, dass es am 8. Jänner Schnee gibt. Im Jänner und im März wird die Wintersaison geschlagen. Zu Weihnachten und auch im Februar fahren sowieso viele auf Urlaub, weil da Schulferien sind und die Eltern sich auch daran halten müssen." Dem pflichtet auch Hans Melcher bei, Hotellerievorsteher in der Wirtschaftskammer Österreich. "Weihnachten hat mehr Urlaubscharakter. Die richtigen Skifahrer sind im Jänner unterwegs, und da ist es wichtig, dass genügend Schnee liegt", sagte Melcher dem STANDARD. Mit den Wedelwochen in der Vorsaison habe sich die Tourismusbranche in den vergangenen Jahren ein Zubrot gesichert, das nicht spektakulär, aber interessant sei. "Damit konnte man wenigstens Deckungsbeiträge verdienen", sagte Melcher. "Heuer war das kaum möglich." Mit dem jetzt gefallenen Schnee im Westen und Süden Österreichs sei aber wieder Optimismus angesagt. Dass Zuversicht angebracht ist, zeigen neue Zahlen von Österreichs größtem Incoming-Reisebüro, dem Verkehrsbüro. Gut 85 Prozent der gesamten Österreich-Urlaube des Vorjahres seien bereits gebucht, die Saison 2000/01 verspreche ein absoluter Rekordwinter zu werden, sagte Verkehrsbüro-Sprecherin Katja Polajnar. Zwar habe man in der Vorwoche aufgrund des Schneemangels große Zurückhaltung im Buchungsverhalten festgestellt, Stornierungen habe es aber nicht gegeben. "Der Schneefall kommt gerade recht." Mehr Buchungen Auf allen Hauptherkunftsmärkten liegen die Buchungszahlen nach Angaben von Polajnar deutlich im Plus. Für Deutschland etwa verzeichnet das Verkehrsbüro Zuwächse gegenüber der vorigen Wintersaison um 15 Prozent, für Österreich um 40 Prozent und für den Benelux-Raum um zehn Prozent. Gefragt seien einerseits Skiurlaube in prominenten Skigebieten wie Arlberg, Ötztal, Zillertal, der Region Kitzbühel/Kirchberg, der Europa-Sportregion Kaprun/Zell am See, Saalbach-Hinterglemm oder der Sportwelt Amade. Weniger bekannte Regionen hingegen könnten mit All-Inclusive-Angeboten und Familienpauschalen punkten. (Günther Strobl) (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2000)