Wien - Das für 2002 fix geplante "Kindergeld" könnte völlig anders ausschauen als bisher angekündigt: Im Sozialministerium unter Herbert Haupt (FPÖ) wird überlegt, das "Kindergeld" für manche Mütter - etwa Alleinerzieherinnen - und "ärmere" Familien auf drei Jahre auszudehnen, bestätigt das Ministerium. Bisher war ein drittes Jahr ausschließlich unter Mitwirkung der Väter vorgesehen. In den ersten zwei Jahren sollen nach der jüngsten Variante alle Mütter so viel dazuverdienen, wie sie wollen und trotzdem monatlich ein Kindergeld von 6000 Schilling (436 Euro) erhalten. Eine Dazuverdienergrenze von bis zu 300.000 Schilling (brutto) pro Jahr - wie sie zuletzt Sozialminister Haupt etwa im Chat mit dieStandard.at erwogen hatte - komme aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht infrage, tönt es nun aus dem Ministerium. Ein Rechtsgutachten habe gezeigt, dass der Verfassungsgerichtshof jede höhere Dazuverdienstgrenze "zu 95 Prozent" kippen würde. Die weitere Begründung für den Wegfall der Dazuverdienstgrenze in den ersten zwei Jahren: Wenn die Frauen neben dem Kindergeld auch noch voll verdienen können, hätten sie eine echte Wahlmöglichkeit zwischen Familie und Beruf, würden daher nicht an den Herd zurückgedrängt. Laut diesem Modell, das vor allem mit Koalitionspartner VP erst noch ausdiskutiert werden muss und im Vollausbau 14 Milliarden Schilling kosten würde, soll es im dritten Jahr nur mehr Kindergeld für "ärmere" Familien und gewisse Frauen geben, deren Partner sich schwer tun, den Familienpart zu übernehmen, weil sie nicht greifbar sind (Alleinerzieherinnen) oder aus Einkommensgründen. "Wenn der Mann zum Beispiel von Provisionen abhängig ist, ist es schwierig für die Familie, dass er in Karenz geht." Bei anderen Berufsgruppen - wie bei den Beamten - sei es dagegen zumutbar, Kindergeld nur dann weiter auszuzahlen, wenn sich auch die Väter in Karenz begeben. Kein Kindergeld im dritten Jahr soll es jedenfalls für Familien geben, die über 550.000 Schilling netto im Jahr verdienen (bei einem Kind, einem Erwachsenen). Derartige Einkommensgrenzen für die gesamte Familie seien bereits in der Wohnbauförderung üblich und daher verfassungsrechtlich unbedenklich. Auch AusländerInnen, die Anspruch auf Familienbeihilfe haben, sollen "Kindergeld" bekommen, präzisiert das Haupt-Büro. "Wir müssen uns an die Gesetze halten." Frauen, die seit Juli ein Kind geboren haben und derzeit kein Karenzgeld bekommen, können ab ersten Jänner 2002 mit einem "Kindergeld" rechnen. Eine Hürde muss Haupt noch nehmen: Im Koalitionsabkommen mit der Volkspartei ist Kindergeld nur für die ersten zwei Jahre plus Dazuverdienstgrenze fixiert. (Lydia Ninz)