Wien - Einige Dutzend Betriebsräte der Austria Tabak sowie solidarischer Unternehmen haben in einer Kundgebung Dienstag Mittag vor dem Gebäude der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG in Wien gegen einen befürchteten "Ausverkauf" der börsenotierten Austria Tabak AG an das Ausland demonstriert. Mit blauen "Memphis"-Kapperln und Trillerpfeifen unterstreichen sie ihr Anliegen auch optisch und akustisch, der leichte Schneefall wird ignoriert. "Österreich verändern - Austria Tabak verscherbeln - Arbeitsplätze vernichten", ist auf Transparenten zu lesen. Bei der Kundgebung zeigten sich auch mehrere Unternehmen aus dem Bereich der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG mit den Anliegen der Austria Tabak-Belegschaft solidarisch. Mit Transparenten vertreten waren unter anderem Belegschaftsvertreter der OMV, der Telekom Austria, des Flughafen Wien, der VA Stahl oder der Böhler-Uddeholm. Bei der Gelegenheit machten sie teilweise auch für ihre eigenen Anliegen Stimmung: "Die Telekom Austria muss österreichisch bleiben", hieß es etwa auf einem Transparent. OMV-Zentralbetriebsratsobmann Leopold Abraham erinnerte in einer kurzen Ansprache daran, wie die Belegschaft im Vorjahr den "Ausverkauf des Gasgeschäftes" bei der OMV erfolgreich verhindert habe. Streicher: "Bitte vertrauen Sie uns" Kurz vor Sitzungsbeginn wandte sich ÖIAG-Generaldirektor Rudolf Streicher direkt an die Demonstranten: Der ÖIAG-Aufsichtsrat kenne und verstehe die Sorgen der Austria Tabak-Mitarbeiter und werde gemeinsam mit dem AT-Vorstand Maßnahmen herbeiführen, die zur Zufriedenheit der Mitarbeiter ausfallen würden. "Bitte vertrauen Sie uns", so Streicher. Vor der endgültigen Entscheidung über den Verkauf des 41,1-Prozent-Anteils werde es noch Gespräche geben. Als Streicher von der Sicherung solider Arbeitsplätze spricht, wird er unterbrochen: "Wo?" wollen die Belegschaftsvertreter wissen und betätigen erneut ihre Trillerpfeifen. "Wir werden uns diese Worte gut merken und sie nötigenfalls einfordern", so der Zentralbetriebsratsobmann der Austria Tabak, Reinhard Hasenhüttl im Anschluss an die Streicher-Rede. "Hoffen wir, dass die Austria Tabak auch in Zukunft ein eigenständiges östereichisches Unternehmen bleibt". Schließung von Standorten befürchtet Bei einem Verkauf des bisher im Bundesbesitz verbliebenen Pakets von 41,1 Prozent an einen strategischen Partner befürchtet die Belegschaftsvertretung die Auflösung bestehender Lizenzverträge und in der Folge die Schließung von zwei bis drei der heimischen Produktionsstandorte. Gehalten wird dieses Paket von der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG. Bereits die Abgabe eines 15-Pakets von Austria Tabak-Aktien an einen strategischen Investor, also einen anderen Tabakkonzern, würde den Wegfall der lukrativen Lizenzverträge bedeuten. Das würde - einschließlich Zulieferungsbetrieben - den Wegfall "Tausender Arbeitsplätze" nach sich ziehen, so die Argumentation der Belegschaftsvertreter. (APA)