Rom - Das Schreckgespenst des Terrorismus wirft seinen dunklen Schatten auf die Weihnachtszeit und versetzt die Sicherheitsbehörden Italiens in Alarm. Nachdem im Mailänder Dom am Montag ein Sprengkörper entschärft worden ist, der um 3:00 nachts hätte explodieren sollen, befürchtet man, dass die Wahlkampagne in Italien turbulent werden könnte. Der Mailänder Oberstaatsanwalt Gerardo D'Ambrosio meinte, der Sprengkörper könnte eine politische Bedeutung haben und mit dem bereits begonnenen Wahlkampf zusammen hängen. "Wir hatten gehofft, dass die Epoche der Politik, die sich mit Bombenaschlägen durchsetzen will, zu Ende ist. Anscheinend ist das jedoch nicht so", beklagte D'Ambrosio. Auch der Anti-Mafia-Jäger Pietro Grasso erklärte sich beunruhigt. "Dieser Fall erinnert mich an das Jahr 1993, als die Mafia Bomben in Florenz, Rom und Mailand gelegt hatte, die den Tod von zehn Personen verursachten. Heute wie damals will man die Kunstschätze Italiens zerstören", betonte Grasso. Damals hatte die sizilianische Cosa Nostra versucht, mit ihren Bomben die Verabschiedung strengster Anti-Mafia-Gesetze zu verhindern, die die damalige Regierung nach den Morden an den Staatsanwälten Giovanni Falcone und Paolo Borsellino verabschieden wollten. Auch im politischen Rom sorgte die entschärfte Bombe für Aufruhr. Der Chef der Italienischen Kommunisten (PDCI), Armando Cossutta, fragte sich, ob dies der Beginn einer neuen Terrorphase sei. "Wir erinnern uns alle an die 'bleiernen Jahre' mit den unzähligen Anschlägen, die die italienische Regierung auf gravierende Weise geprägt hat. Heute, wenige Monate vor den Wahlen besteht die Gefahr einer destabilisierenden Strategie seitens verborgener Kräfte", betonte Cossutta. Zur Untersuchung wurde kurz nach Mittag auch die italienische Polizei-Sondereinheit "Digos" hinzugezogen, teilte der innenpolitische Staatssekretär Massimo Brutti in Rom mit. Auch der Mailänder Kardinal, Carlo Maria Martini, verwarf den gescheiterten Bombenanschlag. "Dieser Vorfall beleidigt all jene, die den Frieden suchen und diese Stadt lieben", betonte der Kardinal. (APA)