Wien - Kombucha ist ein "In"-Getränk, die Hersteller preisen es als Jungbrunnen, Schönheitselixier und Fit-Macher. Wenn Forscher das "Wundermittel" unter die Lupe nehmen, wird es allerdings flugs entzaubert: Der maßvolle Genuss ist den Testern des Verbrauchermagazins "Konsument" zufolge unbedenklich. Besondere Wirkungen für Körper und Seele sind aber auch keine zu erwartet, meinen die Experten. Dabei wird der Markt allein in Österreich auf 100 Millionen Schilling geschätzt. Kombucha, auch Teepliz oder Wolgaqualle genannt, ist eine gallertartige Masse mit Essigsäurebakterien und Hefen. Basis des seit mehr als 2.000 Jahren bekannten Getränks ist meist schwarzer Tee. Bakterien und Hefen sorgen für Fermentation, die Kohlendioxid, Alkohol und Säuren entstehen lässt. Der Geschmack erinnert an Most, nach längerer Gärung an Essig. Vitale Eigenschaften ade Bei industriell hergestelltem Kombucha wird der Gärungsprozess durch Wärmebehandlung unterbrochen, damit das Getränk gelagert werden kann. Dadurch verliert es, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), allerdings auch seine vitalen Eigenschaften (lebende Keime und Enzyme), wie sie etwa für Jogurt typisch sind. Gesundheitsfördernde Wirkungen, wie von Herstellern angepriesen, erscheinen Forschern zweifelhaft. Als gesichert gelten lediglich eine desinfizierende und eine leicht abführende Wirkung. Der "Konsument" hat sieben in heimischen Supermärkten und Drogerien häufig angebotene Produkte (Kombucha-Getränke und Kombucha-ähnliche Limonaden) getestet. Das erfreuliche Ergebnis: Es wurden keine koliforme Keime gefunden. Das gilt leider aber auch für die "guten" Lebendkeime - Milch- und Essigsäurebakterien sowie Hefen -, die nirgends in nennenswerter Anzahl nachgewiesen wurden. Die Wirkung von Totkeimen sei im Fall von Kombucha nicht nachgewiesen. Zuviel Zucker Gerade für Figurbewusste abschreckend ist laut "Konsument" der hohe Zuckergehalt von fünf bis zehn Prozent: Das bedeute immerhin bis zu sechs Stück Würfelzucker pro Glas. Nicht zu empfehlen ist Kombucha nach Meinung der Tester daher auch für Diabetiker. Alkoholkranke sollten das Getränk wegen seines Alkoholgehalts - einige Hundertstel bis 2,13 Volumsprozent - ebenfalls meiden. Geschmacklich wurden die Säfte von "gut" bis "durchschnittlich" beurteilt. Für DGE-Präsident Helmut Erbersdobler geht es um ein "Erfrischungsgetränk auf Teebasis, in den Wirkungen allenfalls vergleichbar mit Sauermilchprodukten". Allerdings zu einem relativ hohen Preis: Ein Liter kostet im Supermarkt bis zu 44 Schilling. (APA)