Jerusalem - Der frühere israelische Ministerpräsident Shimon Peres will bei der Direktwahl für das Amt des Ministerpräsidenten am 6. Februar gegen den amtierenden Regierungschef Ehud Barak antreten. Nach Angaben des israelischen Rundfunks informierte der 77-jährige Politiker am Mittwoch die regierende Arbeitspartei über seinen Entschluss. Barak hatte seinen Parteikollegen noch am Vorabend gedrängt, auf eine Kandidatur zu verzichten, die seine eigenen Chancen bei den kommenden Wahlen verringern würde. Peres, derzeit amtierender Minister für regionale Zusammenarbeit, benötigt für eine Kandidatur die Unterschriften von zehn Knesset-Abgeordneten. Nach Angaben des israelischen Rundfunks soll er bereit sein, seine Kandidatur zurückzuziehen, falls Israel und die Palästinenser bis zum 21. Jänner ein Friedensabkommen schließen. Die amtliche Frist für Kandidaten für die Ministerpräsidentenwahl läuft an diesem Donnerstagabend ab. Peres, der nach der Ermordung von Ministerpräsident Yitzhak Rabin an dessen Stelle trat, hat die darauffolgende Wahl gegen den Likud-Politiker Benjamin Netanyahu verloren. Spendenskandal bring Barak unter Druck Barak ist wenige Wochen vor der Wahl eines neuen Ministerpräsidenten im Februar wegen eines Parteispendenskandals unter Druck geraten. Eine amtliche Untersuchungskommission stellte am Mittwoch fest, dass drei seiner Arbeitspartei nahe stehende, wohltätige Organisationen Spenden in Millionenhöhe für Wahlkampfzwecke missbrauchten. Die drei Organisationen waren vor der Wahl im Mai 1999 unter anderem vom Schwager Baraks geleitet worden. Die Kommission, die ihren Bericht noch an diesem Mittwoch der Knesset vorlegen wollte, empfahl, zumindest eine der Organisationen zu schließen. Barak hat jede Kenntnis der gesetzwidrigen Transaktionen bestritten. Der israelische Rechnungshof hatte Baraks Arbeitspartei am 21. Jänner wegen der illegalen Beschaffung von Parteispenden zu einer Geldstrafe in Höhe von 13 Millionen Schekel (3,58 Mill. Euro/49,2 Mill. S) verurteilt. Einige der Organisationen waren vor den allgemeinen Wahlen in der Absicht gegründet worden, Millionenspenden aus dem In- und Ausland an den Finanzämtern vorbei zu steuern. Neben der Arbeitspartei waren nahezu alle größeren israelischen Parteien ähnlicher Vergehen beschuldigt worden. Sie rechtfertigten sich damit, dass diese Methode der Geldbeschaffung im Parteiengesetz nicht ausdrücklich verboten sei. Barak, der jede Kenntnis der "Unregelmäßigkeiten" bestritt, musste inzwischen zu den Vorwürfen mehrfach aussagen. (APA/dpa)