Washington - Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten George W. Bush nimmt langsam Gestalt an, wenngleich nach wie vor in Form von Gerüchten: Bush vervollständigt sein Team und wird am Mittwoch nach Angaben aus seiner Umgebung seinen Wahlkampfleiter und langjährigen Freund Don Evans als zukünftigen Handelsminister der USA nominieren. Dies werde allerdings die einzige Schlüsselposition sein, deren Besetzung Bush auf einer Pressekonferenz an der Universität von Texas bekannt geben werde, hieß es in Kreisen seiner republikanischen Partei. Die künftigen Finanz- und Verteidigungsminister würden in wenigen Tagen nominiert. Die Pressekonferenz soll den Angaben zufolge gegen 18.00 Uhr MEZ beginnen. Bush werde dabei bis zu fünf Minister benennen, hieß es in den Parteikreisen. Dazu gehören den Angaben zufolge außer Evans der Exilkubaner Mel Martinez als Bauminister und Ann Veneman, die bereits Staatssekretärin im Kabinett von Präsident George Bush senior war, als Agrarministerin. Martinez, der Bush beim Wahlkampf in Florida unterstützt hatte, und Veneman flogen am Dienstagabend mit dem designierten Präsidenten von Washington zurück in dessen texanische Heimat. Bush hatte in Washington mit führenden Kongresspolitikern gesprochen und den scheidenden Präsidenten Bill Clinton und seinen unterlegenen Rivalen, Vizepräsident Al Gore, getroffen. Don Evans gehört seit 30 Jahren zum persönlichen Freundeskreis Bushs. Evans wird als ein Mann beschrieben, der in den entscheidenden Momenten in Bushs Leben immer eine Rolle gespielt habe. Der 54-jährige war lange Zeit Geschäftsführer des texanischen Ölunternehmens Tom Brown und gilt als Multimillionär. Evans leitete Bushs Wahlkampf um die Präsidentschaft und würde mit dem Handelsministerium einen wichtigen Posten in der neuen Regierung erhalten. Die USA und die Europäische Union (EU) liefern sich seit Jahren einen Handelsstreit. Im vergangenen Jahr erhoben die USA auf Nahrungsexporte aus der EU Strafzölle in Höhe von 117 Millionen Dollar (rund 250 Millionen Mark). Verteidigunsminister Als künftiger Verteidigungsminister in Bushs Kabinett ist der Exsenator Dan Coats aus Indiana im Gespräch. Der langjährige Bush-Vertraute und Gouverneur von Montana, Marc Racicot, hat dem Vernehmen nach gute Aussichten, künftiger Innen- oder Justizminister zu werden. Als künftiger Gesundheitsminister wird Tommy Thompson, der Gouverneur von Wisconsin, gehandelt. Demokrat als Bildungsminister? Eine knappe Woche nach der Beendigung des langwierigen Rechtsstreits um seinen Wahlsieg ist noch offen, ob der Republikaner Bush auch Demokraten in die Regierung aufnimmt. Als einziger demokratischer Kandidat wird derzeit Floyd Flake aus New York für das Bildungsministerium genannt. Bushs Berater Scott Reed sagte, der Afro-Amerikaner könnte im demokratischen Lager um eine Unterstützung für das republikanische Bildungsprogramm werben. Bush nominierte bereits am Samstag den pensionierten General Colin Powell für das Amt des Außenministers. Der 63-jährige Powell leitete unter der Regierung von Bushs Vater als Stabschef der Streitkräfte deren Einsatz im Golfkrieg. Weitere Mitglieder seiner Mannschaft sind der ehemalige Verkehrsminister unter Bush sen., Andrew Card, als Kabinettschef, Al Gonzales vom Obersten Gericht von Texas als Rechtsberater und Condoleezza Rice als Sicherheitsberaterin. (APA/AP/Reuters)