Kaum hat die EU den langjährigen Bananenkrieg mit den USA durch eine Reform ihrer Bananenmarktordnung zu entschärfen versucht, hat sich eine neue Front im ewigen Handelsdisput zwischen den beiden mächtigsten Wirtschaftsblöcken der Welt eröffnet. Präsident Bill Clinton hat eine Klage gegen die staatlichen Kredite aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien für das neue Großraumflugzeug A-380 des Airbus-Konsortium angedroht, die EU-Kommission will in diesem Fall zurückschlagen. Anders als bei Bananen oder auch beim Hormonfleisch, das die Europäer nicht hereinlassen, stehen hier große wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Flugzeuge sind für Amerikaner und Europäer einer ihrer größten Exportschlager, im Kampf zwischen Boeing und Airbus geht es um Tausende Arbeitsplätze und Milliarden in der Handelsbilanz. Seit Jahren wehrt sich Washington erfolglos gegen die staatlichen Geldspritzen, mit denen die Europäer Airbus zu einem schlagkräftigen Konkurrenten von Boeing gemacht haben. A llerdings ist auch diesmal damit zu rechnen, dass die USA es bei scharfen Worten belassen. Schließlich profitiert Boeing von großzügigen staatlichen Rüstungsaufträgen, und der US-Konzern will auch nicht die europäischen Fluglinien verärgern, die zu seinen besten Kunden zählen. Außerdem kann die EU auf ein Abkommen von 1992 verweisen, das Beihilfen für die Entwicklung neuer Flugzeuge zulässt. Protektionistische Maßnahmen In den meisten transatlantischen Handelskriegen wird zwar laut gebrüllt, aber nicht scharf geschossen. Beide Seiten stehen prinzipiell zum freien Welthandel und wissen, dass dieser entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung des vergangenen Jahrzehnts beigetragen hat. Dennoch sind sie immer wieder versucht, die eigene Wirtschaft durch protektionistische Maßnahmen - seien es Importschranken oder Exportförderungen - auf Kosten des anderen zu fördern. D er schrille Ton in den Handelsdisputen dient vor allem der Abschreckung: Wenn Sanktionen dann tatsächlich verhängt werden, etwa bei Bananen und Hormonfleisch, ist das eine Art Betriebsunfall. Deshalb ist nicht wahrscheinlich, dass die EU tatsächlich jene 65 Milliarden Schilling an Sanktionen gegen amerikanische Güter verhängt, die sie wegen der steuerlichen Begünstigung für US-Exporteure bei der Welthandelsorganisation WTO beantragt hat. Die WTO ist sicherlich kein perfekter Schiedsrichter, und ihre Entscheidungen können allzu leicht ignoriert werden. Aber sie hat dennoch mitgeholfen, Handelskonflikte in halbwegs geregelte Bahnen zu lenken. Der Wechsel im Weißen Haus könnte die Stimmung zwischen Washington und Brüssel noch verbessern, weil die Republikaner traditionell eine etwas weichere Linie in der Außenhandelspolitik verfolgen. Aber ganz wird keine Seite auf Sanktionsdrohungen verzichten. Denn diese sorgen dafür, dass die Handelsspielregeln eingehalten werden. (DER STANDARD, Printausgabe 21.12.2000)