London - Mikrobiologen der kanadischen University of Western Ontario haben ein neues Verfahren entdeckt, wie sich Wunden vor der Infektion mit gefährlichen Erregern schützen lassen. Sie platzierten Verwandte des Joghurtbakteriums Lactobacillus fermentum RC-14 an gefährdeten Körperstellen und stellten fest, dass diese die Erreger daran hinderten, sich im menschlichen Körper festzusetzen. Der Wissenschaftler Gregor Reid und sein Kollege Jeffrey Howard führten Labortests durch, bei denen sie mehrere schmale Silikonplättchen mit dem bakteriellen Mikroorganismus Staphylococcus aureus beschichteten, der als einer der Hauptverursacher von Infektionen in Kliniken gilt. Einige Plättchen wurden zusätzlich mit dem harmlosen Bakterium Lactobacillus fermentum RC-14 versehen. Die Forscher pflanzten die Silikonscheiben unter die Haut von Ratten. Nach einigen Tagen waren die Hauteinschnitte, die mit Staphylococcus aureus infiziert wurden, geschwollen und mit Eiter gefüllt. Die Stellen mit Lactobacillus fermentum RC-14 waren hingegen sauber und gesund geblieben. Wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, tötete Lactobacillus fermentum RC-14 die Erreger zwar nicht ab, hinderte sie aber offensichtlich durch die Ausscheidung eines Proteins, sich an den Körperzellen anzulagern. Die Forscher können sich vorstellen, dass dieses Protein künftig zur Verhütung von Infektionen direkt in Wunden eingebracht wird und dass beispielsweise Operationsbestecke in Kliniken damit von vornherein überzogen werden. Auch die Behandlung von Infektionen mit Antibiotika könnte ihrer Ansicht nach von der Entdeckung profitieren: Werden Bakterien einem Antibiotikum ausgesetzt, so werden sie sobald alle nicht-resistenten Mitglieder der Bakterienkolonie abgetötet sind, dagegen resistent. Da Lactobacillus fermentum RC-14 die Bakterien lediglich am Wachstum hindert, könnte sich auch die Entwicklung von Resistenzen hinauszögern lassen, so Howard. (pte)