Bonn/Wien - Eigentlich sollte frau meinen, dass der innere Aufbau des menschliche Körper, seine Anatomie, seit langem bekannt ist und dass neue Entdeckungen nur noch im Bereich der Moleküle und Gene möglich sind. Nun entdeckte eine Bonner Medizinerin zum Erstaunen - auch der Fachwelt - ein bisher unbeschriebenes Band am menschlichen Daumen. 81 sezierte Hände Mit 26 Knochen, 19 kurzen Handmuskeln und fast hundert - bekannten - Bändern zählt die Hand zu den komplizierten Körperteilen. Anette Henkel-Kopleck vom Anatomischen Institut der Universität Bonn sezierte in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben 81 Hände und entdeckte an 47 davon einen bisher in keinem Lehrbuch vermerkten bindegewebigen Faserzug am Mittelhandknochen des Daumens. Bisher falsch operiert? "Das Band ist wahrscheinlich ein Muskelrudiment (Überbleibsel, Anm.), das der Stabilisierung des Daumengrundgelenks dient", so die Wissenschafterin. Die Neuentdeckung fixiert aber auch eine Arterie, die den Daumen mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Bei den Untersuchungen konnte Henkel-Kopleck häufig auch Einschnürungen der Arterie feststellen, die wahrscheinlich durch den Faserzug verursacht wurden. Eine derartige Verengung kann Schmerzen hervorrufen, die Symptomatik wird "Ringbandstenose" genannt, so die Medizinerin weiter. Operationen, welche das Problem beheben sollen, verliefen bisher nicht immer erfolgreich. "Weil niemand von dem Band wusste, wurde vielleicht auch einmal etwas falsch operiert", vermutet Henkel-Kopleck. (APA