Islamabad - Immer mehr Menschen flüchten vor der Dürre im Westen Afghanistans und bringen die dortigen UN-Lager zum Bersten. Auf die bedrohliche Situation machte am Freitag das Büro des UN-OKoordinators für Afghanistan im pakistanischen Islamabad aufmerksam. In den Lagern nahe der westafghanischen Stadt Herat drängten sich inzwischen 68.000 Menschen, hieß es. Allein in der vergangenen Woche seien 4.600 Flüchtlinge angekommen, so dass die Vereinten Nationen ein sechstes Lager einrichten mussten. Viele Familien haben sei Juni ihre Häuser wegen der katastrophalen Dürre verlassen. Rund 75 Prozent der Ernte gingen verloren. Die meisten Menschen in den Lagern hätten weder Eigentum noch Nahrung. Die Bedingungen in den Unterkünften seien schlimm, weil Aufrufe der UNO-Hilfsorganisationen zu Spenden zu wenig Gehör fänden, teilte das Büro weiter mit. Die Vorräte des Welternährungs-Programms (WFP) reichten nur noch bis April 2001. Afghanen - die größte Flüchtlingsgruppe der Welt Das UNO-Flüchtlings-Hilfswerk (UNHCR) hatte am Donnerstag gemeldet, allein für die Versorgung der 2,6 Millionen afghanischen Flüchtlinge in Pakistan und Iran würden im nächsten Jahr rund 95 Millionen Mark (48,5 Millionen Euro) benötigt. "Die Afghanen sind die größte und am längsten vertriebene Flüchtlingsgruppe der Welt", sagte UNHCR- Sprecher Sayed Yousaf Hasan am Donnerstag in Islamabad. Seit Anfang dieses Jahres sind nach UNHCR-Angaben rund 50.000 Flüchtlinge über die Grenze nach Nordwest-Pakistan gekommen. Die Regierung in Islamabad hatte die Grenze vorübergehend gesperrt, weil sie des Flüchtlingsstroms nicht mehr Herr wurde. Sie appellierte an die Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge innerhalb der afghanischen Grenzen zu betreuen. Sanktionen gegen Taliban immer massiver Das werde nach der angekündigten Verschärfung der Sanktionen gegen das radikal-islamische Taliban-Regime in Kabul immer schwerer, sagte Hasan. Die UNO hatte ihr gesamtes ausländischen Personal aus Sorge vor gewalttätigen Übergriffen verärgerter Afghanen Anfang der Woche abgezogen. (APA/dpa)