Wien - In der vielleicht schönsten Szene dieses Films sitzt Josef Hader vor einem Fernseher und es ist, als versuchte er sich zu erinnern, aber er weiß nicht, an was. Es läuft eine alte Folge von Der Kommissar ; Erik Ode vernimmt gerade einen jungen Mann, der im wirklichen Leben Hans Brenner hieß. Brenner, der Schauspieler, 1998 verstorben (und übrigens Vater des heutigen deutschen Jungstars Moritz Bleibtreu) war, wie der Schriftsteller Wolf Haas gerne zugibt, ein Vorbild für den von ihm erfundenen Detektiv Brenner, etwa in Komm, süßer Tod . Und Hader, der jetzt "der Brenner" ist, sackt förmlich weg, und irgendwie ist es egal, ob es in den nächsten Momenten zu einer Liebesszene (hier aber zwischen Invaliden) kommt oder ob irgendwann einmal Mordfälle im Rettungsfahrermilieu noch gelöst werden. Weil aber in österreichischen TV- und Kinofilmen eh schon so viel gelöst worden ist, was letztlich keinen interessierte, beschränkt sich Regisseur Wolfgang Murnberger auf die produktive Zuspitzung dessen, was ebendiese Filme so herabgezogen hat, dass man (so Hader einmal) "aus den falschen Gründen unruhig" wird. Süßes wird hier zur Mordwaffe; oder: Nebenfiguren werden - wie auch schon in Haas' Krimi - zeitweise "vergessen" (hier aber, weil der Held ganz bewusst auf den Durchblick verzichtet). Wobei man an dieser Stelle unbedingt Simon Schwarz (bekannt geworden in Die Siebtelbauern ) würdigen muss: Der bemüht sich nämlich als Zivildiener permanent um "kriminalistische" Klarheit. Wir sagen dazu nur, frei nach Haas: beinahe Knieschuss. Aber: 1a-Performance. Und unbedingt erwähnt sei hier auch Gerhard Ernst in der vielleicht kürzesten Schlüsselrolle der österreichischen Filmgeschichte. Der will als korrupter Betonfirmenchef mit dem Ganzen "nichts zu tun haben", dann tritt er auf Nimmerwiedersehen ab, und das umschreibt praktisch in einer Filmminute Österreich. Man muss halt gut aufpassen bei diesem Film. Der Kommissar mit Hans Brenner hieß übrigens Kein Feuer ohne Rauch . Rauchgase spielen in Komm, süßer Tod keine unbeträchtliche Rolle. Was den Brenner nicht daran hindert, sich permanent eine anzuheizen. Und so verschwören sich die Zeichen, dass einem ganz warm ums Herz wird. Das beste Mittel gegen Kinowinterfrost! (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24./25./26. 12. 2000)