Ein Moskauer Gericht hat den Medienunternehmer Wladimir Gussinski am Dienstag vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen. Seine Anwälte werteten dies als Signal, dass auch der internationale Haftbefehl gegen Gussinski aufgehoben werden könnte, auf dessen Grundlage der Unternehmer in Spanien unter Hausarrest steht. Das Urteil zeige, dass die Vorwürfe gegen Gussinski konstruiert gewesen seien, sagte dessen Anwalt Pawel Astaschow der Nachrichtenagentur Reuters in Moskau. Gussinskis Anhänger werfen den Behörden vor, mit der Strafverfolgung des Unternehmers dessen regierungskritische Medien mundtot machen zu wollen. Gussinski ist unter anderem Eigentümer von NTW, des einzigen landesweiten Fernsehsenders, der nicht direkt oder indirekt von der Regierung kontrolliert wird. Astaschow sagte, die Staatsanwaltschaft könne gegen den Freispruch noch Berufung einlegen. Gussinski ist einer der prominentesten Kritiker von Präsident Wladimir Putin. NTW gehörte zu den wenigen russischen Medien, die auch kritisch über den russischen Einmarsch nach Tschetschenien im September 1999 berichtet hatten. Gussinski versucht unterdessen nach ANgaben aus Verhandlungskreisen mit Hilfe der Deutschen Bank, 25 Prozent von NTW an europäische und amerikanische Investoren zu verkaufen. In den Kreisen hieß es am Dienstag in New York, Gussinski verhandele darüber mit bekannten Unternehmen. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Ein erster Versuch zum Teilverkauf von NTW zum 20. Dezember sei am Streit über die redaktionelle Verantwortung gescheitert, hieß es weiter. (Reuters)