Wien - Die im Rahmen der "Kapitalmarktoffensive" beschlossene neue Besteuerung von Investmentfonds hat bei Fondsgesellschaften, Steuerberatern und Banken große Verunsicherung und oft blankes Chaos hervorgerufen. Die rechtlichen Details wurden erst einen Tag vor Weihnachten vom Finanzministerium ausgesandt und sollen bereits mit Jahreswechsel in Kraft treten, ärgert sich etwa der Chef der Invesco, des größten ausländischen Fondsanbieters in Österreich, Gustav Dressler. "Wir sind sehr, sehr grantig". Im Detail sind es zwei Hauptpunkte, die auf die Fondssparer in Österreich zukommen: Bei heimischen Investmentfonds sollen Spekulationsgewinne aus dem Handel mit Aktien jährlich mit pauschal fünf Prozent besteuert werden, für Stiftungen beträgt dieser Satz vermutlich 6,8 Prozent, geht aus einer Analyse der Kathrein-Bank hervor. Bei einem ausschüttenden Fonds kann die Abgabe von der Bank als Quellensteuer einfach abgezogen werden, während bei thesaurierenden (nicht ausschüttenden) Fonds in Zukunft die Steuer auf das Depot überwiesen werden muss, damit der Betrag dann an das Finanzamt gehen kann. Noch komplizierter Komplizierter erweist sich die Regelung, wenn man - wie die meisten heimischen Fondssparer - auch einen in Österreich zugelassenen ausländischen Investmentfonds im Depot hat. Denn diese Fonds unterliegen zwar theoretisch auch der fünfprozentigen Spekulationssteuer, aber die Einhebung ist den heimischen Depotbanken bei ausländischen Gesellschaften natürlich nicht möglich, deswegen muss sie vom Sparer selbst bezahlt werden. Dieser muss also dem Fondsanbieter eine Bestätigung des Wohnsitz-Finanzamtes bringen, der zufolge er seine Fondsanteile in die Steuererklärung aufgenommen hat. Tut er das nicht, kommt eine so genannte "Sicherungssteuer" zur Anwendung: Automatisch werden 2,5 Prozent des letzten Rücknahmepreises abgezogen, egal, ob es Gewinne oder Verluste gab. Besteuert wird hier nicht nur der Gewinn, sondern der gesamte angelegte Betrag. Aber auch Anleger, die brav ihre Finanzamtsbestätigung bringen, könnten mit Pech unter die hohe Sicherungssteuer fallen, befürchtet ein Experte: "Wenn nämlich eine internationale Fondsgesellschaft nicht extra für einige wenige österreichische Anleger die relevanten Daten für die Gewinnermittlung ausrechnet, schaut es nicht gut aus." Während die heimischen Fondsanbieter eher schaumgebremst protestieren, unterstreicht die Invesco ihre Bereitschaft, "alles rechtlich mögliche dagegen zu unternehmen. Unsere Steuerberater prüfen alle Möglichkeiten," so Gustav Dressler. Die größte Belastung kommt auf die depotführenden Geldinstitute zu. Sie müssen laufend das Steuerprofil ihrer Kunden überprüfen. Ein Wechsel von einem österreichischen in einen ausländischen Fonds macht die Meldung an das Finanzamt notwendig, jede Depotbewegung muss auf ihre steuerliche Relevanz untersucht werden. "Das ist administrativer Wahnsinn," meint ein Wiener Banker, das koste mehr, als es bringe. Inländische Dividenden sind mit der 25-prozentigen Kapitalertragsteuer endbesteuert, während ausländische Ausschüttungen der bis zu 50-prozentigen Einkommensteuer unterliegen, eine analoge Regelung gibt es für Anleihen und Anleihefonds. Österreich lässt sich in beiden Fällen von der EU-Kommission klagen, die darin eine Diskriminierung von EU-Fonds in Österreich erblickt. Dazu Peter Quantschnigg, Experte des Finanzministeriums: "Es muss möglich sein, eine gesicherte Steuerabführung wie die Quellensteuer anders zu behandeln als eine ungesicherte im Rahmen der Veranlagung." (Michael Moravec, DER STANDARD, Printausgabe 28.12.2000)