Manche Menschen ändern sich nicht, nur die Verhältnisse werden übler und subtiler zugleich. In diesem Sinn hat die Hereinnahme der FPÖ in die Regierung im Februar des zu Ende gehenden Jahres zwar viel Aufregung, aber keine grundlegenden neuen Erkenntnisse über wesentliche ProtagonistInnen dieser Partei gebracht. Vor allem was die Figur des Hauptdarstellers anlangt, der sich zwar nominell von der Spitze der Partei entfernt hat, aber noch immer die Richtung weist, nach denen die Dinge ihren Lauf zu nehmen haben. Dem haben sich dann vom Koalitionspartner über die Opposition, von den Medien bis zur Justiz alle unterzuordnen. Wer nicht pariert, dem kann man ja notfalls wie einem störrischen Esel oder einem dummen Hund beibringen, wo der rechte Weg langgeht."Wenn ich einen Hund füttere..." Die Dressur von AbweichlerInnn war stets eines jener rhetorischen Stückeln, die der FPÖ-Altobmann meisterlich beherrscht hat. Seit der Regierungsbeteiligung hat er weitere Mittel entdeckt, um KritikerInnen zur Räson nach seiner Fasson zu bringen. Jörg Haider machte bereits im März Zeitungen im Zusammenhang mit der Presseförderung darauf aufmerksam, dass man die Hand, die einen füttert, nicht beißen solle. Es sei eben ganz normal: "Wenn ich einen Hund füttere und der beißt mich, dann füttere ich ihn nicht mehr, sonst beißt er mich ja wieder." Brav dem Herrn in Kärnten aus der Hand fressen soll offenkundig auch die Präsidentin der RichterInnenvereinigung. Weil Barbara Helige sich um die Unabhängigkeit der Justiz öffentlich Sorgen gemacht hat, befindet Haider: "Es ist nicht glaubwürdig, wenn die RichterInnenpräsidentin, die soeben Karriere unter dieser Regierung gemacht hat, von der Gefahr der Verpolitisierung spricht." Mut kann man eben nicht kaufen, nicht einmal durch eine Karriere von Haiders vermeintlichen Gnaden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 28.12.2000)