Wien - Die Wiener Börse blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. Der Markt konnte sich dem international stark eingetrübten Umfeld nicht entziehen und verbuchte ebenfalls eine deutliche Korrektur. Mit einem Jahresminus von 10,40 Prozent im ATX, der Leitindex schloss am Freitag mit 1.073,30 Zählern, liegt der heimische Markt heuer im Rahmen der Bandbreite anderer europäischer Börsen. Zum Vergleich: Der DAX notierte am Donnerstag zu Mittag mit einem Abschlag von rund neun Prozent gegenüber Ultimo 1999, der Londoner FT-SE 100 notierte rund zehn Prozent tiefer. Über einen längeren Zeitraum gemessen, hinkt der Wiener Markt den internationalen Leitbörsen jedoch weiter hinterher. Seit Ultimo 1995 konnte der ATX um bescheidene elf Prozent zulegen. Im gleichen Zeitraum gewann der DAX mehr als 180 Prozent, der Dow Jones konnte seinen Wert mehr als verdoppeln. Korrektur nach euphorischem Start Nach einem euphorischen Start ins Jahr setze in Wien bald eine Korrektur ein, von der sich der Markt bis dato nicht erholen konnte. Noch im Jänner erreichte der ATX mit 1.236,09 Zählern sein Jahreshoch, um in Folge vor dem Hintergrund einer innenpolitisch angespannten Lage rapide zurück zu fallen. Allein am 4. Februar 2000, dem Tag der Angelobung der schwarz-blauen Regierung, büßte der ATX rund 3,5 Prozent an Terrain ein. Im März erreichte der Index schließlich sein Jahrestief von 1.029,37 Einheiten. Von der darauffolgenden Korrektur an den Weltbörsen konnte sich der Markt zwar verhältnismäßig abkoppeln, eine Erholung war jedoch in weite Ferne gerückt. Belebung des Marktes blieb aus Auch die Umsatzvolumina der Wiener Börse nahmen kontinuierlich ab. Lag der Gesamtumsatz inländischer Aktien im Jahr 1998 noch bei 29,80 Mrd. Euro (380,3 Mrd. S), fiel der Umsatz 1999 mit 21,58 Mrd. Euro (296,9 Mrd. S) bereits deutlich tiefer aus. Auch im Jahr 2000 blieben die Umsätze mit einem Gesamtvolumen bis Ende November von 19,21 Mrd. Euro (264,3 Mrd. S) moderat. Die mit der Anbindung an die deutsche Handelsplattform Xetra erwartete Umsatzsteigerung konnte damit nicht realisiert werden. Auch die Emission der Telekom Austria, die bis dato größte Emission der Geschichte der Wiener Börse, brachte nicht die von vielen Investoren erhoffte Belebung des Marktes. Der Börsenstart des Papiers bescherte dem Markt zwar einen Umsatzrekord am ersten Handelstag, in Folge fielen die Volumina aber wieder zurück. "Heißer Emissionsherbst" abgesagt Generell war 2000 ein schwieriges Jahr für Neuemissionen. Während Marktteilnehmer noch im Sommer auf einen "heißen Emissionsherbst" hofften, blieb das Börsenklima auch zum Jahresende frostig. So fielen mehrere Emissionen gemessen am Kursverlauf enttäuschend aus. Mehrere geplante Börsengänge wie jener der VA Tech-Tochter ai informatics oder der Andritz AG wurden überhaupt abgesagt. Die Aktie des Sportartikelherstellers Head büßte bereits an ihrem ersten Handelstag rund 19 Prozent gegenüber dem Emissionspreis ein. Die Aktie der Telekom Austria wurde zwar am unteren Ende des Preisbandes begeben, konnte sich aber der international schwachen Tendenz der Telekomwerte ebenfalls nicht entziehen. In der letzten Handelswoche markierte das Papier das neue Jahrestief (auf Schlusskursbasis) von 6,04 Euro, gegenüber dem Emissionspreis von 9,00 Euro hat die Telekom Austria-Aktie damit bereits rund ein Drittel an Wert verloren. (APA)