Moskau - Russland wünscht sich nach den Worten von Außenminister Igor Iwanow einen "ernsthaften Dialog" mit der künftigen amerikanischen Regierung unter Präsident George W. Bush über die Raketenabwehr. Iwanow stellte in seinem Beitrag für die Zeitung "Nesavisimaja Gaseta" allerdings klar, dass Russland nicht bereit ist, seinen Widerstand gegen das geplante Nationale Raketen-Abwehrsystem (NMD) der USA aufzugeben, in dessen Verwirklichung Russland eine Verletzung des Abkommens über die Raketenabwehr (ABM) von 1972 sieht. Der künftige Präsident Bush hatte bereits während des Wahlkampfs erklärt, unter seiner Führung werde das System eingeführt. Die USA sehen in NMD eine Sicherung gegen überraschende Raketenangriffe sogenannter "Schurkenstaaten" wie Irak oder das kommunistisch regierte Nordkorea, die im Verdacht stehen, Langstreckenraketen und Atomwaffen zu entwickeln. Die Regierung in Moskau hat die Befürchtungen der USA als übertrieben bezeichnet. Sie warnt vor einer neuen Runde des Wettrüstens, die eine Folge der Errichtung von NMD sein werde. An diesem Wettrüsten könnte sich dann auch China beteiligen. Auch in Europa regt sich Widerstand Russlands Präsident Wladimir Putin hat damit gedroht, alle Abrüstungsabkommen mit den USA zu annullieren, sollte NMD Wirklichkeit werden. Im vergangenen Monat hatte allerdings der Chef der russischen Raketenstreitkräfte, General Wladimir Jakowlew, überraschend erklärt, Russland könne auch mit dem Raketenschutzschild der USA leben, wenn Verbesserungen bei der Raketenabwehr durch entsprechende Einschnitte bei der Zahl der Offensiv-Waffen kompensiert würden, wodurch das strategische Gleichgewicht erhalten würde. Auch in Europa gibt es starke Vorbehalte gegen das Raketenabwehrprogramm der USA. (APA/Reuters)