Belgrad - Der künftige Regierungschef Serbiens, Zoran Djindjic, erwartet von den USA, dass sie politischen Druck auf die Albaner-Guerilla UCPMB im Süden Serbiens ausüben. Die Rebellen sollten so zum Rückzug aus der entmilitarisierten Pufferzone entlang der Kosovo-Administrativgrenze veranlasst werden, sagte Djindjic am Sonntag in Bujanovac. Er wolle den Konflikt ohne Gewalt und im Dialog lösen. Die albanischen Extremisten sollten ihre Ideen von (der albanischen) Großstaatlichkeit aufgeben. Erklärtes Ziel der UCPMB ("Befreiungsarmee für Presevo, Medvedja und Bujanovac") ist es, das mehrheitlich von Albanern bewohnte Gebiet gewaltsam an das Kosovo anzuschließen. Die südserbische Provinz ist seit dem Kosovo-Krieg 1999 faktisch ein NATO-Protektorat mit einer UNO-Verwaltung (UNMIK). Die Resolution 1244 des UNO-Sicherheitsrates enthält eine ausdrückliche Verpflichtung zur "Wahrung der Souveränität und territorialen Integrität Jugoslawiens". Dem überwiegend von Albanern bewohnten Kosovo wurden lediglich "substanzielle Autonomie und Selbstverwaltung" nach einer Periode internationaler Überwachung versprochen. Sämtliche Albaner-Führer fordern jedoch die staatliche Eigenständigkeit Kosovos. Gleichberechtigung für Albaner Djindjic besuchte am Sonntag die Armee- und Polizeistellungen nahe und in der Pufferzone und traf sich mit ortsansässigen Albanern im Dorf Lucani. Er versprach ihnen Gleichberechtigung mit den Serben, wenn sie die Gesetze achteten. Albanerführer beklagten, viele ihrer Landsleute hätten aus Angst ihre Häuser verlassen. In der entmilitarisierten Zone, die nach dem Kosovo-Krieg geschaffen wurde, ist den jugoslawischen Streitkräften die Einfuhr schwerer Waffen untersagt. Die Entführung von sechs Serben in der Pufferzone hat den Friedensbemühungen unterdessen einen Rückschlag versetzt. Nur einen Tag nachdem die serbische Polizei und die albanischen Guerilla Stellungen am Rande der entmilitarisierten Zone geräumt hatten, hätten Rebellen am Sonntag die Serben verschleppt, meldete die Belgrader Nachrichtenagentur BETA. Die Männer seien auf der Straße von Presevo nach Gnjilane im Osten des Kosovo entführt worden. Die Rebellen fordern von Belgrad angeblich die Freilassung von 20 Albanern für je einen Verschleppten binnen drei Tagen. "Jahr der Beruhigung" Die Guerilla warnte vor der Verkleinerung der Pufferzone. Die Erfüllung dieser Forderung Belgrads würde weit reichende Konsequenzen haben, sagte Shaqir Shaqiri, Sprecher des politischen Flügels der Rebellen, der kosovarischen Nachrichtenagentur Kosova Live. "Wir engagieren uns für eine politische Lösung", sagte Shaqiri. "Aber wir sollten nicht vergessen, dass wir immer in Bereitschaft sind, auf mögliche Angriffe der Polizei, des Militärs oder paramilitärischer Kräfte zu reagieren." Er warf der neuen Regierung in Belgrad vor, nicht ernsthaft für eine politische Lösung der Probleme der Albaner im Süden Serbiens zu verhandeln. Jugoslawiens Bundespräsident Vojislav Kostunica erklärte zum Jahreswechsel gegenüber der Zeitung "Blic", eine militärische Auseinandersetzung zwischen Serbien und den Albaner-Rebellen würde sicherlich eine "Art von Strafe" seitens der internationalen Gemeinschaft nach sich ziehen. Nur eine politische Lösung des Konflikts sei denkbar. Er hoffe, dass 2001 ein "Jahr der Klärung und der Beruhigung" sein werde. Der montenegrinische Präsident Milo Djukanovic hat unterdessen seinen Landsleuten für 2001 ein "neues Montenegro" gewünscht. "Wir Bürger Montenegros werden alleine, demokratisch und zivilisiert über unsere Zukunft entscheiden", sagte er in einer Fernsehansprache am Silvesterabend. Der künftige US-Präsident George W. Bush will nach einem Bericht der Londoner "Sunday Times" kurz nach seinem Amtsantritt am 20. Jänner mit dem Rückzug der amerikanischen Truppen vom Balkan beginnen. Innerhalb von vier Jahren werde er sämtliche US-Bodentruppen aus Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo abziehen, berichtete die britische Zeitung unter Berufung auf "ranghohe Berater" von Bush. (APA/dpa/Reuters)