Wichtige Computerprogramme werden künftig nicht mehr von der eigenen Festplatte, sondern direkt aus dem Internet gestartet. Diesen Trend mit dem Schlagwort "Application Service Providing" (ASP) nutzen seit kurzem Kunden des deutschen Internet-Providers 1&1, die ihre E-Mails, Termine und Adressen mit der verbreiteten Microsoft-Software Outlook verwalten können, ohne dieses Programm installiert zu haben. Damit kann auch zum ersten Mal ein Microsoft-Programm unter dem konkurrierenden Betriebssystem Linux genutzt werden.

"NewWebhosting

Ähnlich wie bei den üblichen Web-Mail-Anbietern wie GMX, web.de oder Yahoo! ruft der Nutzer des 1&1-Angebots "NewWebhosting" eine Internet-Adresse auf, um neue E-Mails abzurufen. Statt der meist auf wesentliche Funktionen beschränkten Oberfläche erwartet den Nutzer hier eine spezielle Web-Version der vertrauten Outlook-Software. Diese ist weniger umfassend als das zu Microsoft Office gehörende Outlook 2000, bietet aber mehr Möglichkeiten als Outlook Express, das mit dem Microsoft-Browser Internet Explorer kostenlos abgegeben wird.

Das von Grund auf neu programmierte Web-Outlook kann mit jedem aktuellen Browser gestartet werden, der die Darstellung von Frames unterstützt. Nach dem Eingeben des persönlichen Passworts stehen am linken Bildschirmrand die Hauptfunktionen Posteingang, Kalender, Kontakte und Optionen bereit, gestaltet im typischen Outlook-Design. Im Hauptfenster des Posteingangs sind die zuletzt eingetroffenen E-Mails aufgelistet, auf Wunsch kann ihr Inhalt in einem Vorschaufenster der unteren Bildschirmhälfte angezeigt werden.

Vorteil

Auch für Terminplanung und Adressenverwaltung gibt es bereits einige web-basierte Anwendungen mit dem Vorteil, dass die persönlichen Daten auch auf Reisen über jeden Internet-Rechner abgerufen werden können. Das Web-Outlook bietet den Vorteil, dass mit der E-Mail alles in einer Hand ist und die vertraute Software-Umgebung überall zur Verfügung steht. Zudem können auch eigene Dokumente hier abgelegt werden und stehen damit unterwegs sofort bereit.

Je nachdem, ob die Internet-Adresse mit dem Internet Explorer oder mit dem Netscape Navigator aufgerufen wird, gibt es leichte Unterschiede im Detail. Zu den Hauptfunktionen gehört das Sortieren der E-Mails und die Aufbewahrung in eigenen Ordnern. Ein besonderer "Abwesenheitsassistent" ermöglicht das Versenden automatisierter Antworten während des Urlaubs. Für die Darstellung von Multimedia-Elementen in E-Mails muss ein 580 KB großer Software-Baustein heruntergeladen werden.

Noch nicht möglich ist derzeit der Import bestehender Outlook-Adressbücher oder die Synchronisierung mit Handheld-Computern. Hier haben die Entwickler offenbar noch nicht alle Probleme gelöst. Beim Transport der persönlichen Daten kann bereits eine sichere Verbindung mit 128-Bit-Verschlüsselung genutzt werden. Wegen der zusätzlichen Berechnungen ist diese etwas langsamer als die erstaunlich schnelle Standardadresse "http://profimailer.de". Das Passwort kann jederzeit geändert werden, was zusätzliche Sicherheit bietet.

Für die Nutzung der Web-Version von Outlook zahlt 1&1 einen bestimmten Betrag an Microsoft, der sich nach der Anzahl der dafür eingerichteten Accounts richtet. Die Kunden von 1&1 zahlen für den neuen Service monatlich 4,99 Mark (2,55 Euro/35,11 S) , dazu gehört die Bereitstellung von 50 MB Speicherplatz für E-Mails, Termine, Adressen und Dokumente.

.net

Das Web-Outlook ist Teil der im Juni vergangenen Jahres vorgestellten neuen Microsoft-Strategie .NET. Damit bereitet sich der Marktführer auf eine Zeit vor, in der das Betriebssystem wahrscheinlich nicht mehr eine so zentrale Rolle in der Software-Welt einnehmen wird wie bisher. Stattdessen sollen die neuen Lösungen unter dem Microsoft.NET-Dach einen universellen Zugang zu Informationen und zur Bearbeitung von Dokumenten bieten.

Statt megabyte-schwerer Mammutprogramme ausschließlich für das Betriebssystem Windows sollen künftig schlankere Software-Bausteine über das Internet zur Verfügung gestellt werden, die auf allgemeinen Standards wie XML (Extensible Markup Language) aufbauen. Auch andere Computerfirmen setzen auf ähnliche Strategien, die bei IBM als "Web Services" und bei Hewlett-Packard als "E-Services" bezeichnet werden. (APA/AP)