Wien - Völlig überraschend wurde Ferdinand Posnik, Chef der Kärnten Werbung, vor Weihnachten seines Postens enthoben. Im Gespräch mit dem STANDARD zieht Posnik eine Bilanz seiner zehnjährigen Tätigkeit. Als Hauptgrund für seinen Abgang sieht er seine Weigerung, den politischen Akteuren mit der Landestourismusgesellschaft eine permanente Bühne zur Verfügung zu stellen. Doch nicht nur Politiker, auch die Vertreter der anderen Gesellschafter - neben dem Land (60 Prozent) die Wirtschaftskammer (30 Prozent) und die Arbeiterkammer (zehn Prozent) hätten immer stärker Einfluss zu nehmen versucht. Die Bewegung, die von den permanent wechselnden Tourismusreferenten - derzeit FP-Landesrat Karl Pfeifenberger - in die Kärnten Werbung getragen worden sei, hätte eines nicht verändert: "Wir haben Eigentumsverhältnisse, die den 50er- und 60er-Jahren entsprechen. Die sozialpartnerschaftliche Konstruktion mit Land und Kammern ist längst nicht mehr zeitgemäß." Dennoch habe man in der Tourismusgesellschaft "spannende, vorzeigbare" Werbemodelle entwickelt: "Da will man eben nicht mehr zuschauen, sondern sich ordentlich draufsetzen." Kärnten-Card symptomatisch Symptomatisch sei die Entwicklung der Kärnten-Card (eine Art Scheckkarte, die dem Gast diverse Leistungen zum Pauschalpreis bietet) gewesen: "Hier waren die Begehrlichkeiten rein freiheitlicher Natur. Die wollten daraus eine Tankkarte für alle Kärntner, dann eine Maut- und Bürgerkarte machen. Und das von Leuten, die nicht einmal wussten, wie das ursprüngliche Produkt funktioniert. Das war auch der Grund für den Abgang von Ilse Schmalz, die als profundeste Vordenkerin des Tourismus gemerkt hat, dass es nicht mehr um sachliche Lösungen geht, sondern um Politisierung." Der Umwandlung eines Marketing- in ein politisches Instrument hätte er, Posnik, immer mehr Widerstand entgegensetzen müssen: "Was im letzten halben Jahr von der Politik gekommen ist, lässt einen verwirrt zurück: Dass wir einem britischen Diskont-Flieger einen Zehnjahresvertrag mit saftiger finanzieller Unterstützung geben, konnte noch verhindert werden. Das war Pfeifenbergers Idee. Daraus ist das Engagement mit Air-Alps-Aviation geworden, die am Konkurs entlangschrammt. Jetzt steht im Leistungsbericht des Landeshauptmanns, dass es endlich gelungen sei, Kärnten an das internationale Flugnetz anzuschließen." Dubiose Ideen Von ähnlicher Qualität sei die Idee, das Werbebudget vollends in eine Event-Gesellschaft zu stecken, die eine Funktion habe: "Für den Landeshauptmann, die Politiker und Funktionäre Bühnen zu schaffen, die den Kärntner Wähler beeinflussen, aber sicher nicht den internationalen Gast." (DER STANDARD Print-Ausgabe, 3. 1. 2001)