Kirchdorfer Zementwerke in Oberösterreich testen seit 22. Dezember - Genehmigungen für weitere Werke demnächst Wien - Die Verbrennung von Tiermehl startet nun auch in den heimischen Zementwerken. Seit 22. Dezember testen die Kirchdorfer Zementwerk Hofmann, im gleichnamigen oberösterreichischen Ort an der Krems die Verbrennung von Tiermehl, für das seit 1. Jänner ein EU-weites Verfütterungsverbot gilt. In den nächsten Tagen sollen drei weitere Werke in Kärnten, der Steiermark und Niederösterreich entsprechende Genehmigungen der zuständigen Landesbehörden erhalten. Nummer vier in Salzburg soll wenig später folgen. Neun Zementwerke geeignet Tiermehl als Ersatzbrennstoff zu verwenden Insgesamt sind neun der elf heimischen Zementwerke grundsätzlich geeignet in ihren Öfen auch Tiermehl als Ersatzbrennstoff - neben Kunststoff, Altöl und Autoreifen - zu verwenden, so Ernst Roubin, Sprecher der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie. Sieben Werke hätten sich auch um eine Genehmigung zur Verbrennung von Tiermehl angesucht. Theoretisch könnten die Zementwerke die gesamten 80.000 Tonnen Tiermehl die in Österreich anfallen, verfeuern. 40.000 Tonnen davon sofort, den Rest nach entsprechenden Investitionen, so Rubin. Verbrannt wird mit rund 2.000 Grad, die dabei entstehende "inerte Asche" wird in der Zementerzeugung als Bindemittel verwendet. Investitionsmaßnahmen gegen die Geruchsbelästigung Hans-Jürgen Gulas, Werksleiter des Kirchdorfer Zementwerks, beziffert die langfristig notwendigen Investitionen mit vier bis fünf Mill. S für Annahmestellen, Pufferlager, und Maßnahmen gegen die Geruchsbelästigung. Sollte das Tiermehlverbot jedoch wie derzeit gültig auf sechs Monate beschränkt bleiben, werden wir auf die Investitionen verzichten und weiter nur versuchsweise verbrennen. Bis jetzt wurden versuchsweise rund zehn Tonnen Tiermehl verbrannt. Zementwerke wollen für die Verbrennung kassieren Die Zementwerke wollen für die Verbrennung des zum Sondermüll mutierten früheren Futtermittels jedoch Geld. Wie hoch die Kosten pro Tonne sind - wer sie zahlen soll, ist nach wie vor strittig -, lasse sich nicht sagen, betont Rubin. Dies sei von Werk zu Werk verschiedene ist und letztlich davon abhänge ob größerer Investitionen erfolgen oder nicht. Die ursprünglich genannten 1.000 S pro Tonne seien jedoch nicht zu halten. Verbrannt werden soll auch Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen Die Zementindustrie steht mit ihrem Angebot in Konkurrenz zu Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen, die ebenfalls Tiermehl verbrennen wollen. Drei Anlagen tun das laut Auskunft des Landwirtschaftsministeriums auch schon: Das Dampfkraftwerk in St. Andrä in Kärnten, die Müllverbrennungsanlage in Wels und das Werk Simmeringer Haide (früher EbS), die nicht nur herkömmliches Tiermehl, sondern auch Risikomaterial wie Rinderhirn und Rückenmark verbrennen. Kosten 2000 Schilling pro Tonne Laut Fernwärme Wien-Geschäftsführer Anton Wischinka wurden in der Sondermüllverbrennungsanlage seit 13. Dezember 2000 knapp mehr als 1.000 Tonnen Tiermehl - in Form von Pellets - verfeuert, für die Kosten von knapp 2.000 S pro Tonne anfielen. Würde das Tiermehl lose angeliefert, wären die Kosten laut Wischinka höher. Insgesamt liegen die Kapazitäten des Werks in Simmering bei rund 30.000 Tonnen pro Jahr. (APA)