100.000 Demonstranten haben am Mittwoch auf dem Prager Wenzelsplatz ihre Solidarität mit den streikenden Journalisten des staatlichen tschechischen Fernsehsenders CT bekundet. Die Protestveranstaltung werteten Beobachter am Mittwoch als die größte seit der "Samtenen Revolution" von November 1989, die zum Sturz der kommunistischen Regierung geführt hatte. An der Kundgebung, die von starkem Polizeiaufgebot gesichert wurde, nahmen zahlreiche Persönlichkeiten des politischen und kulturellen Lebens teil. "Vorsicht vor Machtmissbrauch" Die Mitoganisatorin Alena Müllerova forderte, der umstrittene neue CT-Intendant Jiri Hodac müsse umgehend zurücktreten und durch jemanden ersetzt werden, der den Fernsehsender aus der aktuellen Krise führen könne. Auf Transparenten waren Forderungen nach "Freiheit" und "Vorsicht vor Machtmissbrauch" zu lesen. "Unsere Generation hat bereits ein Regime zu Fall gebracht", rief Popsänger Daniel Hulka unter dem Beifall der Demonstranten. Nach Angaben des Fernsehsenders TV3 demonstrierten auch in den Städten Ostrava und Brünn mehrere tausend Menschen. Havel verschob Abreise Der tschechische Präsident Vaclav Havel verschob seine für Donnerstag geplante Abreise in den Urlaub - auf Grund der "angespannten Situation". Am Dienstag hatte Havel verkündet, er werde sich mit öffentlichen Äußerungen zu dem Streit zurückhalten. In Zeiten der Verhandlungen seien diese nicht angebracht. Der Streit um die Fernsehanstalt war am 24. Dezember eskaliert, als Redakteure aus Protest gegen die Ernennung von Hodac Fernsehstudios besetzten. Die Journalisten werfen Hodac und seiner Nachrichtenchefin Jana Bobosikova zu große politische Nähe zur Demokratischen Bürgerpartei (ODS) von Parlamentspräsident Vaclav Klaus vor. (APA/dpa)