Prag - Das tschechische Parlament hat in der Nacht vom Freitag zu Samstag - 40 Minuten nach Mitternacht - nach einer ganztägigen, emotionalen Debatte den umstrittenen Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen (CT) Jiri Hodac zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Für den Fall, dass Hodac dem nicht nachkommt, forderte das Abgeordnetenhaus den CT-Aufsichtsrat auf, diesen auf seiner Sitzung am kommenden Montag, den 8. Jänner, abzuberufen. Von den 178 anwesenden Abgeordneten stimmten 96 für der Beschluss. Dagegen waren 63 Abgeordneten - die Vertreter der oppositionellen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) des Unterhauschefs Vaclav Klaus, die bisher Hodac unterstützte, und die Kommunisten (KSCM). Der ODS ist es zuvor nicht gelungen, die Forderung in den Beschluss hineinzureklamieren, dass gleichzeitig mit Hodac auch die revoltierenden CT-Redakteure gehen müssen. Das Parlament fordert in dem Beschluss gleichzeitig alle Politiker auf, die Prinzipien der parlamentarischen Demokratie zu respektieren und in das innere Geschehen in CT nicht einzugreifen. Schließlich erklärt das Unterhaus, dass das Tschechische Fernsehen zur Zeit seine öffentlich-rechtliche Aufgabe, wie sie im entsprechenden Gesetz verankert sei, nicht erfülle. Der Beschluss des Abgeordnetenhauses gegenüber Hodac sowie gegenüber dem CT-Rat ist nur eine Aufforderung bzw. Empfehlung. Weder der CT-Generaldirektor noch der CT-Rat sind verpflichtet, danach zu handeln. Das Abgeordnetenhaus soll sich am kommenden Freitag, den 12. Jänner, erneut mit der Situation in CT befassen. (APA)