Hamburg - Die UNESCO-Welterbeliste ist nach Ansicht des Direktors des Welterbe-Zentrums, Francesco Bandarin, "auf drei Arten unausgewogen". Momentan befinde sich der Liste zufolge jedes zweite schützenswerte Denkmal in Europa - "obwohl es da auch nicht mehr zu vererben gibt als in anderen Gegenden der Erde", sagte Bandarin dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Außerdem seien im Verhältnis weit mehr Kultur- als Naturmonumente registriert, und drittens fehlten bestimmte Kategorien, zum Beispiel Denkmäler des 20. Jahrhunderts. Bandarin kündigte an, dass das Entscheidungskomitee anders besetzt werde, "damit auch dort die europäische Vorherrschaft endet". All das gehe natürlich nicht von heute auf morgen. Die Möglichkeiten des UNESCO-Welterbekomitees sind begrenzt, wie Bandarin einräumte. "Wir können nur moralischen Druck ausüben, wir sind ja nicht die NATO." Als im vergangenen Jahr verbotenerweise eine Straße durch den Iguacu-Nationalpark gebaut wurde, hätten die UNESCO- Proteste bewirkt, dass die brasilianische Regierung die Straße wieder gesperrt habe, nannte der Direktor des in Paris ansässigen Welterbe-Zentrums ein positives Beispiel. Er wandte sich dabei gegen eine allzu große Ausweitung der Welterbeliste: "Natürlich bin ich für umfassenden Schutz. Aber in unseren Katalog dürfen nur die wichtigsten Juwelen - die Leuchttürme sozusagen."(APA/dpa)