Klagenfurt - Der ehemalige Sekretär von Ex-Außenminister Alois Mock (ÖVP), Walter Stojan (35), ist am Dienstag mit den Stimmen von FPÖ und ÖVP zum neuen Chef der Kulturabteilung beim Amt der Kärntner Landesregierung bestellt worden. Die SPÖ stimmte dagegen, weil Stojan ihrer Meinung nach jede Kärnten-spezifische Kulturerfahrung fehle und das Objektivierungsverfahren, aus dem er als Erstgereihter hervorgegangen ist, eine "Alibiaktion" gewesen sei. Der gebürtige Grazer Stojan war zuletzt Leiter des Kulturinstitutes in der kroatischen Hauptstadt Zagreb (Agram), weshalb ihm Landeshauptmann Jörg Haider nach der Regierungssitzung "große Erfahrung und viele Kontakte" bescheinigte. Haider wies zudem darauf hin, dass Stojan in allen drei Entscheidungen des Objektivierungsverfahrens mit großem Abstand Erstplazierter gewesen sei. Stojan promovierte 1989 an der Karl-Franzens-Universität Graz zum Doktor der Rechtswissenschaften. Anschließend besuchte er die Diplomatische Akademie Wien und trat 1990 in das Außenministerium ein. Von 1991 bis 1994 war er zuständig für Kultur im Kabinett des damaligen Außenministers Mock. Seit 1995 leitete Stojan das Österreichische Kulturinstitut in Zagreb. Zur Kritik der SPÖ, dass der neue Kulturamtschef mit Dienstklasse VII/1 extrem hoch eingestuft werde, sagte Haider vor Journalisten, dass seinerzeit auch SP-Landesvorsitzender Peter Ambrozy mit 36 Jahren in die selbe Dienstklasse aufgerückt sei. Der Landeshauptmann listete noch eine Reihe weiterer Beamter auf, die im Alter von 36 und jünger die Dienstklasse VII erreicht hätten. "Politischer Ideologe" SP-Landesgeschäftsführer Herbert Würschl warf Haider daraufhin "Schnüffelei in den Personalakten der politischen Mitbewerber" vor. Würschl: "Was Haider verschwiegen hat ist, dass Ambrozy - im Unterschied zu Stojan - damals bereits seit zehn Jahren im Landesdienst war und die Einstufung daher völlig zu Recht erfolgte. Beim neuen Leiter der Kulturabteilung muss das zumindest hinterfragt werden dürfen". Die Kultursprecherin der Kärntner SPÖ, Abg. Nicole Cernic, kritisierte am Dienstag den ersten öffentlichen Auftritt Stojans scharf. "Dass Stojan in einem ORF-Interview ausgerechnet der SPÖ Poststalinismus vorwirft, beweist, dass hier ein politischer Ideologe die Kulturabteilung übernimmt. Ich befürchte, dass Stojan den Mölzer'schen Weg der Vervolkstümlichung und der Event-Kultur weitergehen wird", sagte Cernic in einer Aussendung. Landeshauptmann Haider stellte zu seinem Berater Andreas Mölzer fest, dass dieser keinerlei Aufgaben innerhalb der Kulturabteilung des Landes wahrnehme. Er sei vielmehr ein Journalist, der "nur auf Anforderung hin zuarbeite". (APA)