Der Rat des öffentlich-rechtlichen tschechischen Fernsehsenders Ceska Televize (CT) ist am Montag in Prag zusammengetreten. Dabei sollte über die Krise in dem Sender, der seit drei Wochen von einer Revolte gegen den umstrittenen neuen Intendanten Jiri Hodac erschüttert wird, beraten werden. Das tschechische Abgeordnetenhaus hatte den CT-Rat in der Vorwoche in einer Resolution mit großer Mehrheit aufgefordert, Hodac von seinem Posten abzuberufen, sollte er nicht von sich aus bis Montag seine Funktion zurücklegen. Für die Abberufung des Intendanten ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Der Vorsitzende des CT-Rates, Miroslav Mares, zweifelte vor Beginn der Sitzung, dass dieses Quorum erreicht werde. Mares ist in dem achtköpfigen Gremium einer von drei Vertretern der konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) von Ex-Premier Vaclav Klaus. Hodac wird von den revoltierenden Redakteuren zu große Nähe zur ODS vorgeworfen. Im Gegensatz zur ODS sprach sich in der Vorwoche die regierende Sozialdemokratische Partei (CSSD), deren Minderheitskabinett die Klaus-Partei stützt, erstmals für die Abberufung von Hodac aus. Im CT-Rat hat die CSSD vier Vertreter. Ein weiterer Repräsentant wurde von der Christdemokratischen Partei (KDU-CSL) entsandt. Der neunte Sitz ist derzeit vakant, da der Vertreter der Freiheitsunion seinen Sitz aus Protest gegen die Wahl von Hodac am 20. Dezember zurückgelegt hat. Unmittelbar vor Beginn der Sitzung warf Mares dem Abgeordnetenhaus eine "Einmischung in die Kompetenzen" des CT-Rates vor. Eine Abberufung von Hodac lehnte er ab, dieser sei "legal gewählt worden". Der umstrittene Intendant hatte bereits am Vorabend wissen lassen, dass er nicht an Rücktritt denke. Entgegen seiner Ankündigung erschien Hodac allerdings auch am Montag nicht an seinem Arbeitsplatz. Nach einem Kreislaufkollaps am vergangenen Donnerstag befindet er sich weiter in Krankenhauspflege. Unterdessen warnte die Bürgerinitiative "Tschechisches Fernsehen - Sache der Öffentlichkeit" vor neuen Kundgebungen in mehreren Städten des Landes, sollte der CT-Rat Hodac nicht umgehend abberufen. Die Initiative hatte in der Vorwoche mehr als 100.000 Menschen auf dem Prager Wenzelsplatz versammelt, die gegen den parteipolitischen Einfluss im öffentlich-rechtlichen Sender und für die Unterstützung der rebellierenden Redakteure demonstrierten. Auch die gegen Hodac gestellten Mitarbeiter von CT kündigten die Fortsetzung ihrer Proteste an. Das tschechische Parlament berät am Freitag über eine Novelle des Rundfunkgesetzes. Dabei soll der CT-Rat von neun auf 15 Mitglieder erweitert und zugleich der Einfluss der Parteien auf den Sender verringert werden. Erst nach dieser Novelle wird unter geänderten Mehrheitsverhältnissen eine Abberufung von Hodac erwartet. (APA)