Während sich in Europa die Euroländer in einem politischen Willensakt zur Einheitswährung aufgerafft haben, vollzieht sich auf dem amerikanischen Kontinent die Schaffung einer Währungsunion auf schleichendem Weg, über die Dominanz des US-Dollar. Überall, wo aufgrund hoher Inflationsraten das Vertrauen in nationale Währungen sinkt, tritt der Greenback als sicherer Hafen auf den Plan. So zirkulieren derzeit geschätzte zwei Drittel der Dollar-Bargeldmenge außerhalb der USA in Händen von Privatpersonen. Versuche, dem Vordringen des Dollar legistische Maßnahmen entgegenzusetzen, führten in der Regel zur Kapitalflucht auf Auslandskonten. Viele Regierungen gingen deshalb bald dazu über, die Errichtung von Depositenkonten in Auslandswährung - sprich: in Dollar - zu gestatten. Die "private Dollarisierung" erfährt dadurch ihre erste Form der Legalisierung. Die maximale Spielart der Dollarisierung ist dann die Anerkennung des US-Dollar als gesetzliches Zahlungsmittel: de facto über die feste Anbindung der Landeswährung an den Dollar oder de iure über die vollkommene Ersetzung der Landeswährung durch den Greenback. Sie bedeutet die Aufgabe der geldpolitischen Autonomie, weshalb dieser Schritt auch politisch stets sehr umstritten ist. In der Regel bedeutet er einen radikalen Sparkurs zur Inflationsdämpfung, der mit Kaufkraftverlusten einhergeht. Als Lohn der Mühen winkt eine nach innen und außen stabile Währung. Lateinamerikas Regierungen gehen dabei mit unterschiedlichem Tempo vor: In Panama ist der US-Dollar schon seit Anfang des Jahrhunderts offizielle Währung. Ecuador führte ihn im vergangenen April als alleiniges Zahlungsmittel ein. El Salvador begann heuer mit der schrittweisen Ablösung der Landeswährung Colon durch den Dollar. Guatemala will den Dollar ab kommendem Mai als Parallelwährung etablieren.

In Argentinien ist der Peso seit 1991 per Gesetz im Verhältnis eins zu eins an den Dollar gebunden. (jost/DER STANDARD, Printausgabe 9.1.2000)