Lydia Ninz Wien - Mütter steigen mit dem neuen "Kindergeld" pensionsmäßig womöglich schlechter aus als jetzt mit dem Karenzgeld. "Mit dem Kindergeld steht ja die Frage im Raum, ob als Grundlage für die Kindererziehungszeiten künftig die 6000 Schilling oder - wie bisher - 8500 Schilling herangezogen werden", sagt Brigitte Fahrner, Expertin im Sozialministerium im Gespräch mit dem STANDARD. Mit der Basis sinkt aber die Pension. Der kniffelige Zusammenhang in Kürze: Seit 1993 bekommen Frauen, die Kinder großgezogen haben, für die Pension so genannte Kinderersatzzeiten angerechnet, maximal vier Jahre pro Kind. Diese Ersatzzeiten erhöhen die spätere Pension, aber nur, wenn Frauen irgendwann in ihrem Leben auch berufstätig waren. In die Zwickmühle gerät die Regierung nun aber, weil sie den Familienlastenausgleichsfonds (Flaf) künftig dazu vergattern will, genau für diese Kinderersatzzeiten extra in die Pensionskassa einzuzahlen, was bisher nicht geschah. Der Flaf soll 22,8 Prozent Pensionsbeiträge einzahlen. Basis für Beiträge und Pensionen muss gleich sein Die Basis für diese Beitragszahlungen muss aber diesselbe sein wie die Basis für die Pensionen, sonst hält die Regelung rechtlich nicht. Es ist also nicht möglich, bei den Auszahlungen (der Pensionen) bei 8500 Schilling zu bleiben und bei den Einzahlungen (für die Pensionen) nur 6000 Schilling heranzuziehen. Wird als Basis für beides nun 6000 Schilling verwendet, verringern sich die Pensionen. Grob gerechnet würde eine Mutter statt 680 nur mehr 490 Schilling monatlich Pension dazubekommen. Dass der Flaf künftig auch noch Pensionsbeiträge für Kindergeldbezieher einzahlen soll, erhöht die Kosten des Kindergeldes um weitere Milliarden. Für den Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger, reichen die prognostizierten Überschüsse des Flaf auf keinen Fall aus, auch noch diese Mehrkosten zu decken. Der Streit, wie viel Geld das Kindergeld kosten wird, ging auch am Dienstag weiter. Die Schätzungen reichen von 11,2 Milliarden Schilling (Österreichisches Institut für Familienforschung) bis zu 16 Milliarden Schilling. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hält es nur bei einer Dazuverdienergrenze von unter 21.000 (brutto im Monat) für finanzierbar. Dann würden 30 Prozent der Männer für ein drittes Jahr nicht infrage kommen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.1.2001)