Nach 17 Tagen sendet das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen (CT) wieder einheitliche Nachrichten. Die vom umstrittenen CT-Generaldirektor Jiri Hodac ernannte Nachrichtenchefin Jana Bobosikova, die bisher mit einem kleinen Journalisten-Team eine offizielle Version der Nachrichten außerhalb des CT-Gebäudes improvisierte, erklärte in der Nacht auf Mittwoch, sie stelle ihre Sendungen ein. "Es hat keinen Sinn, die Arbeit fortzusetzen, wenn der News-Room weiterhin von den revoltierenden Redakteuren besetzt ist", sagte Bobosikova. Sie kündigte aber gleichzeitig an, dass sie im Amt bleibe. Bobosikova reagierte auf die Weisung der stellvertretenden CT-Chefin Vera Valterova, die zur Zeit offiziell an der Spitze des Medienunternehmens steht, weil sich Hodac außerhalb von Prag von einem Schwächeanfall erholt. Er war am Montag aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die CT-Führung erklärte weiters, sie werde die Sendungen der aufständischen Redakteuren nicht mehr stören. Mittwoch Früh ging das von den revoltierenden Journalisten gestaltete Programm "Guten-Morgen" ohne Probleme auf Sendung. Die in dem News-Room verbarrikadierten Redakteure begrüßten die Entscheidung der CT-Führung und zeigten die Bereitschaft, mit Valterova zu verhandeln. "Das Krisenkomitee ist zufrieden, dass ein Punkt unserer Forderungen erfüllt wurde", sagte ein Sprecher, Adam Komers. Damit sei Raum für Gespräche über weitere Forderungen geschaffen worden. Demgegenüber zeigten sich die Anhänger von Hodac enttäuscht. Sie sprachen von Kapitulation. "Grober Druck, grobe Gewalt und 'Schweinerei' haben in diesem Land gewonnen", meinte das Mitglied des CT-Aufsichtsrates Jana Dedeckova, die von der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) des Unterhauschefs Vaclav Klaus in den Rat nominiert worden war. "Frau Bobosikova ist aber nicht zurückgetreten. Sie hat nur ihre Sendungen eingestellt", betonte Dedeckova. Das Team von Bobosikova hatte am Dienstag bereits große Schwierigkeiten, die "offizielle Version" der Informationssenungen auszustrahlen. Die Hauptnachrichten am Abend wurden mit zehnminütiger Verspätung gesendet. Produziert wurden sie nicht mehr aus einem Ersatz-Studio, sondern aus einem Prager Hotel, wo die Moderatorin allerdings nur noch Agenturmeldungen verlas. Bildbeiträge wurden keine mehr gesendet. Die Mitarbeiter des Studios des "Tschechischen Armee-Films", wo das Team von Bobosikova die Nachrichten produziert hatte, hatten zuvor Aufnahmekassetten sowie technisches Gerät vorübergehend beschlagnahmt und die Tür zum Studio verschlossen. Sie begründeten dies mit Worten, es handle sich um ein Pfand für die Vermietung des Studios. (APA)