Miami - Die größte Organisation der Afro-Amerikaner und andere Bürgerrechtsgruppen haben in Miami eine Sammelklage wegen Verweigerung ihrer Rechte bei der US-Präsidentschaftswahl in Florida eingereicht. Noch im Verlauf des Donnerstag wollte außerdem die US-Bürgerrechtskommission in der Hauptstadt des Bundesstaates, Tallahassee, mit einer Untersuchung über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Präsidenetschaftswahl vom 7. November beginnen. Dabei soll unter anderem geklärt werden, ob in Gebieten mit überwiegend schwarzer Bevölkerung Wähler durch verstärkte Polizeipräsenz eingeschüchtert wurden. Als einer der ersten Zeugen soll der republikanische Gouverneur Jeb Bush, der Bruder des neu gewählten Präsidenten George W. Bush, gehört werden. Kommt die Kommission zu dem Schluss, dass es Unregelmäßigkeiten gab, könnte sie der US-Regierung und dem Kongress Maßnahmen empfehlen. Gegen Lochkarten-System In der Sammelklage unter Federführung der Nationalen Vereinigung zur Verbesserung der Lage farbiger Menschen (NAACP) heißt es unter anderem, die Wahl in Florida sei in einer unfairen, unmoralischen, undemokratischen und illegalen Weise durchgeführt worden. Tausenden Farbigen sei am 7. November das Wahlrecht verwehrt worden. So habe es Fälle gegeben, in denen Schwarze widerrechtlich von den Wählerlisten gestrichen worden seien. Vor allem aber wenden sich die Kläger gegen das Wahlverfahren in der Form von Lochkarten. Bei der Florida-Wahl hatten sich in Gebieten mit starkem Minderheitenanteil Fälle gehäuft, in denen die Wahlkarten kein Stanzloch neben einem Kandidatennamen, gleich mehrere Löcher oder auch nur einen schwachen Abdruck aufwiesen. Beim automatischen Auszählen waren diese Karten als ungültig aussortiert worden. Der unterlegene demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore hatte nach der Wahl vor Gericht vergeblich für eine Handauszählung umstrittener Stimmen gekämpft. (APA/dpa)