Der umstrittene Intendant des öffentlich-rechtlichen tschechischen Fernsehsenders Ceska Televize (CT), Jiri Hodac, ist zurückgetreten. In einer von seiner Stellvertreterin Vera Valterova am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Prag verlesenen Erklärung nannte Hodac gesundheitliche Gründe für seinen Rückzug. Zugleich betonte er, dass seine Wahl am 20. Dezember "legal" erfolgt sei. Bobosikova will im Amt bleiben Ungeachtet des Rücktritts von Hodac, gegen den eine Gruppe von CT-Mitarbeitern seit drei Wochen mit einer Besetzung des Nachrichtenraumes protestiert, will die übrige neue Führung des Senders im Amt bleiben. Die von den Redakteuren ebenso vehement abgelehnte Nachrichtenchefin Jana Bobosikova lehnte in einer Pressekonferenz ihren Rücktritt ausdrücklich ab. Daneben wollen auch Finanzchef Jindrich Beznoska und Valterova weiter ihre Funktionen ausüben. Der 53-jährige Hodac, ein früherer Mitarbeiter des tschechischen Dienstes der BBC, war am 20. Dezember völlig überraschend vom CT-Aufsichtsrat zum neuen Intendanten berufen worden. Am Freitag soll das tschechische Abgeordnetenhaus in einer Sondersitzung über eine Novelle des Rundfunkgesetzes beraten, mit der die Kompetenzen des CT-Rates bedeutend verändert werden. Danach war mit einer Ablöse von Hodac gerechnet worden. Diesem Schritt kam er nun mit seinem Rücktritt offenbar zuvor. Hodac war vor einer Woche mit einem Kreislaufkollaps in ein Prager Krankenhaus eingeliefert worden und nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. 23 Tage Protest Gegen Hodac hatten rund 30 Redakteure und Techniker des tschechischen Fernsehens seit 23 Tagen mit der Besetzung des Nachrichtenraums protestiert. Sie warfen ihm zu große Nähe zu der konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) von Parlamentspräsident Vaclav Klaus vor. Zuletzt waren auch die regierenden Sozialdemokraten (CSSD) von Hodac abgerückt. Die rebellierenden Redakteure reagierten auf die Nachricht von seinem Rücktritt mit Jubel, wollen aber vorerst weiter im Streik bleiben, bis die gesamte von Hodac eingesetzte Führung zurückgetreten ist. Vor Hodac war bereits der von ihm ernannte neue technische Direktor, Jan Novak, von seinem Amt zurückgetreten. Am Donnerstag legten auch zwei von den Sozialdemokraten nominierte Mitglieder des Aufsichtsrates ihre Funktion zurück. Damit hatte das Gremium nur mehr sechs statt der gesetzlich vorgesehenen neun Mitglieder. Sie sind alle von Parlamentsparteien bestellt. Die Klaus-Partei ODS zeigte sich von dem Rücktritt enttäuscht. "Das ist das Ergebnis einer hysterischen Hetzkampagne, die ihn fast in den Tode getrieben hat", meinte ODS-Vizeparteichef Ivan Langer. Demgegenüber gab sich die Freiheitsunion (US), die Bestandteil der so genannten "Vierer-Koalition" ist,erfreut. "Ich bin froh, dass Hodac die Lage interpretiert hat und zurückgetreten ist. Er hätte nie zum CT-Generaldirektor werden dürfen", betonte der Abgeordnete Vladimir Mlynar. (APA)