Washington - Nach dem umstrittenen Wahlausgang in den USA erwartet die Polizei tausende Demonstranten zur Amtseinführung von George W. Bush am 20. Jänner. Die Behörden in Washington bereiten sich auf die größten Protestkundgebungen seit der Vereidigung von Richard Nixon 1973 vor, als 60.000 Menschen gegen den Vietnamkrieg demonstrierten. Zahlreiche Initiativen für Minderheitenrechte oder zu politischen Themen haben Demonstrationen angemeldet; ein Großaufgebot der Polizei soll Ausschreitungen verhindern.Drei genehmigte Demos Die Menschenrechtsorganisation International Action Center (IAC) erhielt nach eigenen Angaben die Genehmigung für drei Demonstrationen auf der Pennsylvania Avenue vor dem Weißen Haus. "Die Bush-Regierung kam an die Macht, weil einigen Wählern aus rassistischen Gründen die Bürgerrechte genommen wurden", sagte ihr Sprecher Brian Becker. Seine Organisation befürchte, dass Bush Fortschritte bei den Bürgerrechten und der Frauenbewegung zurücknehmen wolle. Respekt Bush-Sprecher Ari Fleischer sagte, die designierte Regierung respektiere die Proteste als ein amerikanisches Recht. "Wir werden sie respektieren und natürlich erwarten wir, dass die Demonstranten den gewählten Präsidenten respektieren", erklärte er. "Heil dem Dieb" Auf einen solch versöhnlichen Ton wollen sich einige Gruppen aber nicht einlassen. Das Bündnis Justice Action Movement (JAM) will mit Plakaten wie "Heil dem Dieb" zur Vereidigung vor dem Capitol erscheinen. Etwa 5.000 Menschen werden dann zur Kundgebung auf dem Dupont Circle erwartet, 800 Meter nördlich des Weißen Hauses. JAM wolle dort eine Reform des Wahlkampfrechts und des Wahlsystems einfordern, sagte Sprecher Bob Rogers. Die Mutter der Porzellankiste Obwohl alle Gruppen versichert haben, sie wollten friedlich demonstrieren, bereiten sich die Behörden auf Ausschreitungen vor. Der Polizeichef von Washington, Charles Ramsey, erklärte, alle seine 3.600 Beamten würden am 20. Jänner im Dienst sein. Weitere 1.200 würden aus den US-Staaten Maryland und Virginia angefordert. "Wir wollen, dass alle ihre Meinung äußern und protestieren können, aber gleichzeitig sollen sie die Zeremonie nicht stören", sagte Ramsey. Auch hätten seine Beamten die Amtseinführung von Nixon 1973 genau studiert. Damals warfen Demonstranten Kieselsteine und Obst auf Nixons Limousine. Kohlkopf-Munition Ramseys Leute wollen die Wiederholung eines solchen Vorfalls verhindern. "Wir werden vernünftig sein. Ich glaube nicht, dass jemand mit einem Kohlkopf getötet wird", erklärte Ramsey. Die US Capitol Police, die für das Gelände um das Kapitol verantwortlich ist, wird mit 1.200 Sicherheitskräften die Zeremonie sichern. Ein großer Kampf Die Organisatoren des Protests erklärten, für jeglichen Ausbruch von Gewalt werde die Polizei verantwortlich sein. "Sie bereiten sich offenbar auf einen großen Straßenkampf vor", sagte der JAM-Sprecher Adam Eidinger. Ramsey erwartet am 20. Jänner 700.000 Menschen zur Vereidigung von Bush, "die große Mehrheit werden Anhänger des neuen Präsidenten sein". (APA/AP)