Wien - Der erste BSE-Verdachtsfall bei einem österreichischem Rind sei noch nicht die "große Katastrophe". Das betonte Gesundheitsminister Herbert Haupt (F) am Sonntag. Haupt lobte das schnelle Krisenmanagement der Behörden. Er hoffe, dass die Evaluierung der Probe in Tübingen den Verdacht nicht bestätigen wird. Dabei geht es um die Bestätigungstests. Der Ressortchef, bestätigte, dass der BSE-Krisenplan aktiviert worden ist. Laut Haupt sind die österreichischen Behörden von ihren deutschen Kollegen am Sonntag um 12.05 Uhr über den Fall informiert worden. Ihn selbst habe man um 12.20 Uhr verständigt. Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (V), der laut eigenen Angaben um exakt 12.28 Uhr von dem Fall erfahren hat, betonte, dass die genaue Herkunft des Tieres bereits eine Stunde später eruiert werden konnte. Im Ministerium ist unmittelbar nach Bekanntwerden des Falles ein Seuchenstab eingerichtet worden, zu dem sich bereits in den Mittagsstunden auch Gesundheits-Staatssekretär Reinhart Waneck eingefunden hat. Die Beamten des Ministeriums, allen voran der Leiter der Veterinärverwaltung, Dr. Peter Weber, werden demnach die Kontakte zu den deutschen Kollegen intensivieren. Das betroffene Rind wurde am 27. Oktober 1993 geboren. Die betreffende Kuh stammt laut Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (V) aus dem Tiroler Bergbauernhof in Schattwald im Außerfern, der laut Rinderdatenbank derzeit gerade 12 Rinder im Stall stehen hat. "Er ist also ein Kleinbetrieb", so Molterer. Das Tier trug die Kennzeichnungs-Nummer "AT 172.112.445". Am 23. November des vergangenen Jahres hat die Kuh den "heimatlichen" Stall verlassen. Am 12. Jänner war es in Deutschland geschlachtet worden. Zweifel am Test Doch weiterhin wurde gehofft, dass sich der BSE-Verdacht nicht bewahrheiten würde. So hatte der Sprecher von Gesundheitsminister Herbert Haupt, Gerald Grosz, bereits Sonntag Nachmittag auf ein möglicherweise wichtiges Faktum hingewiesen: "Der Schnelltest an dem Tier erfolgte mit einem Test aus jener Charge, die in den vergangenen beiden Wochen in Deutschland zu 64 falsch positiven Untersuchungsergebnissen geführt hat." Es könnte also durchaus sein, dass auch hier ein objektiv falsches Resultat vorliege. Betrieb gesperrt Der Betrieb in der Tiroler Gemeinde Schattwald, von dem das betroffene Rind stammte, wurde gesperrt. Vorerst sei nämlich noch nicht bekannt, ob aus diesem Hof weitere Tiere "hinausgegangen seien", erklärte der Tiroler Landesveterinärdirektor Eduard Wallnöfer Sonntag Nachmittag einer ersten Pressekonferenz in Innsbruck. Neben den Tierfutterproben würde auch untersucht, welche weiteren Tier-Verkäufe getätigt worden sind. Weiters wird geklärt, ob das Tier beispielsweise auf Gemeinschaftsweiden war. "Dann wird der ganze Betrieb getötet" Haupt teilte weiters mit, was passiert, wenn sich der Verdacht bestätigt: "Dann wird der ganze Betrieb getötet!" Und Tiere, die von dem Hof stammen, aber ihn schon verlassen haben, sollen genauestens beobachtet werden. Rechtliche Konsequenzen könnte es für den Bauern laut Molterer in einem Fall geben: Nämlich dann, wenn nachgewiesen wird, dass illegal Tiermehl verfüttert worden ist. Proben der Futtermittel seien bereits gezogen worden. Rinderdatenbank bewährt Die österreichische Rinderdatenbank, die seit 1978 besteht, habe sich in dem Fall hervorragend bewährt, betonte Molterer. Tierbewegungen seien dadurch stets nachvollziehbar. Molterer betonte, dass schon jetzt den Ursachen für einen möglichen BSE-Fall nachgegangen werde. Entscheidungen über weitere Maßnahmen werden nach Angaben des Landwirtschaftsminister jedoch erst getroffen, wenn das endgültige Ergebnis vorliege. (APA)