Hollywood-Regisseur und Komödienspezialist Harold Ramis über innere Konflikte, die dunklen Seiten der menschlichen Existenz und die Rolle des Filmemachers im Kontext eines industriellen Massenmediums. Aufgezeichnet von Isabella Reicher .


New York/Wien - Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Und wenn der Teufel im Spiel ist, ist Vorsicht geboten, denn der hat bekanntlich immer einen Pferdefuß. Das Kino macht daraus Geschichten. Aber mitunter legen sich seine Rahmenbedingungen bei der Wunscherfüllung quer.

Bedazzled/Teuflisch heißt der neue Film von Harold Ramis. Es handelt sich dabei um das Remake des gleichnamigen Stanley-Donen-Films von 1967. Damals verkörperte Dudley Moore den Unglücksraben, der im Tausch gegen seine Seele vom Teufel sieben Wünsche erfüllt bekommt, die ihm die Liebe seiner Angebeteten bringen sollen.

In der aktuellen Version hat Brendan Fraser (The Mummy, Gods and Monsters) diesen Part übernommen. Und der Teufel ist, quasi zeitgemäß adaptiert, eine Frau und hat die Gestalt der britischen Schauspielerin Liz Hurley.

Harold Ramis, Drehbuchautor, Regisseur und gelegentlich auch noch Schauspieler, ist ein freundlicher Mann. Seine Karriere begann in seiner Heimatstadt Chicago auf der Bühne des legendären Second City Theatre. Ab Mitte der 70er-Jahre arbeitete er in New York für die Komikertruppe National Lampoon Show, und mit der Verfilmung von National Lampoon's Animal House (1978) startete seine Autorenlaufbahn in Hollywood, die ihn immer wieder auch mit Second-City-Weggefährten wie Bill Murray, Dan Aykroyd oder dem mittlerweile verstorbenen John Candy zusammenführte.

Ramis' Fachgebiet sind folglich Komödien. Und er liebt Rollenspiele: In seinem letzten Film Analyze This (1999) vollzog sich beispielsweise zwischen einem von Panikattacken heimgesuchten Mafioso (Robert De Niro) und seinem unfreiwillig rekrutierten Psychiater (Billy Crystal) eine "Heilung" als allmähliche Übertragung.

Sein bis dato bester Film, Groundhog Day (1993), versetzte den großartig bösartigen Bill Murray in eine Zeitschleife und ließ ihn ein und denselben Tag so lange immer wieder durchleben, bis er schließlich lernte, vor dem Hintergrund des Immergleichen ein anderer zu werden.

Multiple Identität

Michael Keaton hingegen wurde im darauf folgenden Multiplicity (1996) gleich vervielfältigt. Und in der Komödie Bedazzled ermöglicht der Pakt mit dem Teufel seinem Helden, in höchst unterschiedliche Identitäten zu schlüpfen:

"Eines Tages, wenn sich dann noch jemand dafür interessiert, könnte man diese Filme auch als ein Set betrachten. Sie reflektieren drei Arten von inneren Konflikten. In Multiplicity etwa geht es darum, die unterschiedlichen Aspekte seines Innenlebens miteinander in Einklang zu bringen. In Groundhog Day muss der Held lernen, sich selbst zu verlieren - ein großartiges buddhistisches Konzept . . ., und Bedazzled handelt vom Konflikt mit unseren Wünschen. Wir im Westen werden ja zu guten Konsumenten erzogen, und in unserer Vorstellung ist Glück oft an den Erwerb von bestimmten Dingen gekoppelt."

Auch Kinobesucher sind bekanntlich (zahlende) Konsumenten. Der Regisseur fühlt sich diesem Umstand - angesichts eines "mittleren" Produktionsbudgets von etwa 50 Millionen US-Dollar - verpflichtet, und er geht mitunter weit, um Konsumentenwünsche zu erfüllen. Paradoxerweise gerät Ramis speziell auf die Frage nach einer angeblich wieder aus dem Film entfernten Wunschsequenz plötzlich ins Schwärmen:

"Ja, das ist eine großartige Geschichte, eine Rock'n'Roll-Sequenz, man wird sie nicht im Kino sehen können, aber auf DVD. Ich hatte mir überlegt, wenn ich sieben Wünsche frei hätte, dann würde ich auch gerne meine dunkle Seite ergründen. Das Thema exzessiven Sichgehenlassens hat mich interessiert, ich kannte Leute, die sich buchstäblich mit Alkohol und Drogen umgebracht haben - und nebenbei liebe ich auch den Film Sid & Nancy.

Also ließen wir den Teufel folgenden Vorschlag machen: ,Du gehst das ganz falsch an. Du glaubst, wenn du möglichst gut bist, dann werden die Leute dich mögen. Aber die Mädchen stehen auf die bösen Jungs, wer sündigt, hat den meisten Spaß.' Brendan wird daraufhin der abstoßendste, zügelloseste, jenseitigste Typ, den man je gesehen hat. Er ist ein Rockstar, dauernd betrunken, kotzt aufs Schlagzeug - wirklich ekelhaft. Und so unglaublich komisch. Es hat wirklich viel Spaß gemacht, das zu drehen - mit Handkamera, sehr modern sozusagen -, und dann haben wir den Film einem Testpublikum vorgeführt, und es hat ganz erstaunlich reagiert."

Der Spaß war offenbar nicht teilbar. Und so entschlossen sich Regisseur und Produktionsfirma dazu, eine Ersatzsequenz zu drehen, die offenbar weniger verstörend wirkte.

Angesichts der fertigen Kinoversion stimmt dieses Entgegenkommen doch betrüblich: Bedazzled ist eine gefällige Komödie, die sich vor allem an den permanent wechselnden Maskeraden der Protagonisten, an teuflischen Dialogpointen und Finten weidet. Die Botschaft des Films (Paktieren mit dem Teufel lohnt sich nicht) ist so vorhersehbar wie sein Erzählverlauf.

Andererseits gehören solche Entscheidungen zum Alltag industriellen Filmemachens - so zu arbeiten, sagt Ramis, sei ein Privileg. Zugleich aber auch eine Gratwanderung, bei der es beständig darum gehe abzuwägen, wie weit man von seinen ursprünglichen Ideen abweichen will. Auf die Rock'n'Roll-Sequenz sind wir jedenfalls wirklich sehr gespannt!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 1. 2001)