Graz - In Graz startet das Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag von Johann Nestroy mit einer Aufführung seines Stückes "Einen Jux will er sich machen". Gespielt wird eine Textfassung des Regisseurs Kurt Palm, der die Aufführung als "Posse ohne Gesang" verstanden haben will. Die Premiere findet am kommenden Samstag im Grazer Schauspielhaus statt. Nestroy thematisierte im "Jux" den Ausbruchsversuch des Handlungsgehilfen Weinberl, der nach seiner Beförderung Angst vor seiner allzu angepassten Existenz bekommt und einmal aus dem Käfig bürgerlicher Konventionen ausbrechen will. Bevor Weinberl dauerhaft zum "Sklaven des Geschäfts" wird, will er einmal im Leben "ein verfluchter Kerl" gewesen sein. Auf seiner Abenteuertour, die er gemeinsam mit dem Lehrjungen Christopherl unternimmt, gerät er in turbulente Szenen, bevor sich zuletzt alles in Wohlgefallen auflöst. Zensur Dass sich bei der Grazer Aufführung nicht alles im biedermeierlich-amüsanten Bereich abspielen wird, ist vorprogrammiert, wurde für die Regie doch Kurt Palm verpflichtet. Dieser erarbeitete eine eigene Textfassung des 1842 uraufgeführten Stücks. Dabei ist Marie nicht die Nichte des Gewürzkrämers Zanglers, sondern seine Tochter. Das wäre nach Meinung des Regisseurs zur Zeit der Uraufführung nicht möglich gewesen, da Marie die Autorität Zanglers nachhaltig in Frage stellt, was die Zensur auf den Plan gerufen hätte. Auffälligste Neuerung von Kurt Palm ist die Streichung sämtlicher Couplets, weswegen er die Aufführung als "Posse ohne Gesang" ankündigte. Die ursprünglichen Couplettexte seien nicht mehr zeitgemäß, und neue Texte mit Anspielungen auf die aktuelle Situation gehören nach Palms Meinung eher ins Kabarett: "Und Kabarett und Nestroy vertragen sich nicht, weil Nestroy viel härter und aggressiver ist als alle Kabarettisten Österreichs zusammen", begründete der Regisseur seine Entscheidung. Umtriebig Kurt Palm inszenierte und produzierte "Phettbergs Nette Leit Show", drehte den Spielfilm "In Schwimmen-zwei-Vögel" nach dem Roman von Flann O'Brien und inszenierte unter anderem an der Oper in Dublin die Operette "Die Fledermaus". 1999 erschien sein Buch "Suppe Taube Spargel sehr sehr gut. Essen und trinken mit Adalbert Stifter". Zuletzt führte er am Burgtheater ("Glaube Liebe Alkohol") und am Landestheater Linz ("Blume von Hawaii") Regie. In Graz ist derzeit auch die "Weiterentwicklung" des Nestroy-Dramas auf der Opernbühne zu sehen: Das Musical "Hello Dolly" basiert auf Thornton Wilders Erzählung "The Matchmaker", die ihrerseits Nestroys Text zur Vorlage hatte. Aber ganz neu war auch der Stoff beim "Jux" nicht mehr: Bereits 1934 erschien John Oxfords "A Day well spent", der als Vorläufer der Posse gilt. (APA)