Salzburg - Die ÖBB werden Ende Jänner mit den Arbeiten für die Bergung des "Gletscherdrachen" beginnen, also jenes Unglückszuges, der am 11. November vergangenen Jahres bei der Fahrt aufs Kitzsteinhorn in Brand geriet und damit 155 Menschen das Leben kostete. Anschließend sollen Sachverständige die letzten notwendigen kriminaltechnischen Untersuchungen vornehmen. Wann das definitive Ergebnis der Unglücksursache vorliegt, darüber wagte Ermittlungschef Major Franz Lang am Montag keine Prognose, sondern verwies stattdessen auf die Causa "Tauerntunnel": Diese sei weniger kompliziert gewesen "und es hat über ein Jahr gedauert, bis alle Gutachten da waren". Drei bis vier Wochen im Berg Konkret wurde heute von den Experten bei einem Gespräch am Salzburger Landesgericht folgender Zeitplan festgelegt: Am 29. Jänner reisen die Bergemannschaften sowie Sachverständige und Kriminaltechniker an, am 30. Jänner transportiert ein Hubschrauber den größten Teil des Materials auf den Berg, ab dann wird im Tunnel gearbeitet. Diese Phase werde "drei bis eher vier Wochen" dauern, meinte Major Lang. Wichtig bei der Bergung: Das Verhältnis von Fahrwerk, Bremsanlage und Schiene zueinander darf "keinen Millimeter" verändert werden, sagte Lang. Zug mitsamt den Schienen Ehe mit den Bergearbeiten an der ausgebrannten Zugsgarnitur begonnen werden kann, muss das ÖBB-Team rund um Einsatzleiter Rudolf Hofer noch einiges an Vorarbeiten leisten: Lose Wagenbestandteile beispielsweise müssen entfernt und sichergestellt, das auf 200 Meter Länge beschädigte Zugsseil neu verschweißt werden. "Keinesfalls" dürfe es zu einer Bewegung des Fahrzeugrahmens auf den Schienen kommen. Um dies zu verhindern, werden Schienen und Zug zunächst einmal "kraftschlüssig verbunden". Anschließend wird dieses kompakte Paket mit hydraulischen Pressen hoben. Darunter werden neue Schienen eingezogen, auf die ein speziell konstruierter Abtransportwagen gestellt werden. Auf diesen wird dann der nach gehobene Unglückszug gesenkt, entsprechend fixiert und ins Tal transportiert. Auch zweiter Zug ins Tal Geplant ist außerdem, nicht nur die Brandgarnitur, sondern auch den oberen, intakten Zug ins Tal zu bringen. Dieser soll zunächst in die Bergstation geschafft werden, wo ihn die Sachverständigen zwecks neuer Untersuchungen unter die Lupe nehmen können, anschließend würde der Abtransport ins Tal erfolgen. An welchem Ort dann letztlich beide Zugsgarnituren für die abschließenden Untersuchungen landen, ist noch ungewiss. Schwergewicht auf technischen Untersuchungen Parallel zur Bergemannschaft sind auch die Sachverständigen und Kriminalisten am Werk. Während im Jänner alle Einvernahmen abgeschlossen werden sollen, liege im Februar das "absolute Schwergewicht" bei den technischen Untersuchungen, betonte Lang. Natürlich wolle man "auf möglichst alle Fragen eine 100-prozentige Antwort" erhalten, doch dürfe dabei "der Weg der Präzision keinesfalls verlassen werden". Hinweise auf Unfallursachen ließ sich der Ermittlungsleiter keine entlocken, er bestätigte lediglich, dass sich jene Beobachtungen, über welche einige Leute unmittelbar nach dem Unglück berichtet hatten (z.B. Stopps des Zugs in den Tagen davor) sowohl in den Einvernahmen als auch bei Überprüfung der technischen Protokolle bestätigt hätten. Eine Bewertung müsse jedoch den Gutachtern überlassen werden. Damit diese ihre Untersuchungen durchführen können, ist beim Bergeteam Feinarbeit gefragt: "Wir müssen größte Sicherheit walten lassen", erklärte Hofer, der sich die ermittlungstechnischen Folgen einer Berge-Panne gar nicht erst ausmalen mag. Wie Lang betonte auch der Einsatzleiter des etwa 14-köpfigen ÖBB-Bergeteams mehrmals die Probleme, mit denen sich die Experten bei diesem Unterfangen zusätzlich zu den technischen Schwierigkeiten konfrontiert sehen. ÖBB-Mitarbeiter, Sachverständigen und Kriminalisten sind nämlich vor allem auch körperlich gefordert: Sie bewegen sich in alpinem Gelände, die Steigung des Tunnels beträgt 42 Prozent, dazu kommt, dass die Stufen zwischen Talstation und Tunneleingang vereist sind. Beladen mit Ausrüstung, die für die Arbeit, aber auch die eigene Sicherheit gebraucht wird, müssen etwa 2.500 Stufen bewältigt werden. "Die körperliche Beanspruchung der Leute ist hoch", kommentierte Major Lang den bevorstehenden Einsatz.(APA)