In der Woche vor seiner Inauguration wird George W. Bush erstmals hautnah mit den politischen Realitäten in Washington konfrontiert. Heute gehen die Bestätigungs-Hearings von ihm nominierten -Regierungsmitglieder im Senat weiter, darunter auch jene für zwei umstrittene Kandidaten: John Ashcroft, der als Justizminister vorgesehen ist, und Gale Norton, die Innenministerin werden soll. Lobbygruppen, die sich für und gegen die Kandidaten stark machen, haben mit ihren Aktivitäten begonnen: So will etwa die Christian Coalition, die wohl mächtigste der 100 konservativen Gruppen, die Ashcroft unterstützen, eine halbe Million Amerikaner telefonisch auffordern, sich bei ihren jeweiligen Senatoren für Ashcroft einzusetzen. Die Abtreibungsbefürworter der "National Abortion and Reproductive Rights Action League" werden in sieben Staaten Radiospots gegen Ashcroft ausstrahlen, darunter in Maine, dem Heimatstaat von zwei gemäßigten republikanischen Senatorinnen, Olympia Snowe und Susan Collins. Der Umweltschutzverein Sierra Club sponsert Radio- und TV-Spots, die sich gegen Gale Norton wenden: Sie hat Erdölbohrungen in den Naturschutzgebieten in Alaska befürwortet. Knappe Mehrheit Noch immer wird aber damit gerechnet, dass sowohl Ashcroft als auch Norton vom Senat bestätigt werden - immerhin haben die Republikaner dort die Hälfte der Sitze. Es wird aber auch darauf ankommen, wie verbissen der Kampf zwischen Demokraten und Republikanern abläuft. Sollte Ashcroft mit der knappen Mehrheit von nur einer Stimme (jener von Vizepräsident Dick Cheney) bestätigt werden, würde das einen Gesichtsverlust für George W. bedeuten und den designierten Justizminister schon bei Amtsantritt beschädigen. Laut jüngsten Umfragen sind die Amerikaner gespalten, was Ashcroft betrifft: 41 Prozent meinen, er sei in Sachen Abtreibung, Drogen- und Handwaffenkontrolle zu konservativ, 37 Prozent halten ihn für einen geeigneten Justizminister. 57 Prozent aller Befragten sind mit Bushens Regierung zufrieden. Neben den Spekulationen über den Ausgang der Hearings schreiten die Vorbereitungen für die Inaugurationsfeierlichkeiten von George W. Bush und seinem Vize Dick Cheney voran. Die Polizei in Washington hat alle Hände voll zu tun: Für die Parade am Samstag wird eine große Anzahl von Demonstrationen erwartet - die meisten seit der Angelobung von Richard Nixon im Jahr 1973. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.1.2001)