Ein unprofitables Internet-Unternehmen nach dem anderen wird von der Wall Street zur Schließung gezwungen. Die Medienunternehmen der USA reagieren nun auf ihre Art und reduzieren unter Hinweis auf rückläufige Anzeigenerlöse und wachsende Verluste die Online-Redaktionen. Die Online-Abteilungen werden auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: In Zukunft soll das Internet bei der weiteren Firmenexpansion nicht mehr die Hauptrolle, sondern lediglich eine unterstützende und flankierende Rolle spielen. Fast alle großen Medienunternehmen haben in den vergangenen Wochen zum Teilrückzug aus dem Internet angesetzt: CNN , NBC , Fox , die " New York Times " und das " Wall Street Journal " kündigten einen Personalabbau in den Redaktionen an, wobei bei CNN auch die Fusion der Muttergesellschaft Time Warner mit Online-Marktführer AOL eine Rolle spielt. Am stärksten gekürzt wird zumeist in den Redaktionen, die für die Internet-Ausgaben zuständig sind. Analysten erklärten, dies werde vermutlich erst der Anfang sein. Die meisten Online-Aktivitäten von Zeitungen seien derzeit unprofitabel. So hat zwar die Disney Internet Group, die Online-Abteilung des Unterhaltungskonzerns Disney, zu dem auch der Sender ABC gehört, bis jetzt noch keinen ihrer 3.000 Mitarbeiter gekündigt. In dem Ende Oktober 2000 abgeschlossenen Haushaltsjahr wurden aber 217 Millionen Dollar, umgerechnet, 3,17 Milliarden Schilling, Verlust gemacht. Rückgang bei der Werbung "Wir sehen jetzt erst den Beginn der Auswirkungen durch den Rückgang bei der Werbung. Die ersten Firmen, die ihren Haushalt 2001 aufstellen, streichen jetzt Stellen", sagt Tom Wolzien, Medienanalyst bei Sanford C. Bernstein & Co. "Wir haben eine Zeit erlebt, in der viel überschüssiges Geld im Umlauf war. Das ist vorbei." Dabei redet keiner davon, sich ganz aus dem Internet zu verabschieden. Die Frage ist nur, wie die Online-Präsenz aufrechterhalten werden kann, ohne die Aktionäre in Zeiten zurückgehender Werbung allzu unglücklich zu machen. "Nachdem der Höhepunkt der Aufregung um das Internet nun hinter uns liegt, erkennen Firmen wie New York Times und News Corp., dass die Online-Abteilung als Ergänzung sicher ganz sinnvoll und gut ist, so lange es finanziell im Rahmen bleibt", sagt Edward Hatch von SG Cowen Securities. Einige Firmen wie zum Beispiel News Corp. lösen inzwischen ihre bisher eigenständigen Online-Unternehmungen wieder auf. News Corp. entließ die Hälfte der 450 Mitarbeiter und integriert den Rest wieder in die alten Fernsehkanäle wie Fox, Fox News Channel und Fox Sports und deren Online-Abteilungen. "Zu Beginn der Internet-Euphorie gab es die Befürchtung, dass sich Fernsehen und Internet Konkurrenz machen würden", sagt Jon Richmond von News. Corp. "Das Gegenteil ist der Fall. Sie ergänzen sich hervorragend." Andere Firmen legen ihre Ausbaupläne wieder ad acta. So Discovery Communications, wo noch vor kurzem ein massiver Ausbau geplant war. Auch der Konzern General Electric, zu dem der Sender NBC mit seiner Online-Tochter NBCi gehört, zog schon die Notbremse. Das Unternehmen bekam eine neue Leitung, die sofort Stellen strich, geplante Aufkäufe absagte und unprofitable Unternehmungen beendete. Die "New York Times", die noch im vergangenen Jahr Anteile an ihrer Online-Tochter verkaufen wollte, hat dieses Vorhaben wieder aufgegeben. Als Firmenpräsident Russell T. Lewis begründen musste, warum 17 Prozent der Online-Mitarbeiter entlassen werden, bekräftigte er seine Zuversicht, dass das Internet als "ergänzendes Medium" erhalten bleibe. (APA/AP)