Drei Schilling und 75 Groschen - das kostete die Spanische Reitschule bisher pro Jahr jeden Österreicher - in Summe 30 Millionen. Dafür verbuchte die Fremdenverkehrswirtschaft Einnahmen in mehr als zehnfacher Höhe. Keine schlechte Verzinsung der Steuerschillinge. Dennoch soll auch der jährliche Abgang von 30 Millionen gespart werden - prinzipiell sicher ein gutes Ziel. Allerdings gibt es da die lästigen Mitarbeiter, Bereiter und Ausbilder der Hofreitschule, die darauf hinweisen, dass Pferde keine Maschinen sind und die Räumlichkeiten in den historischen Räumen der Hofburg eher beengt. Macht nix, was zählen schon Argumente, Gewinne müssen her, das Wie wird später entschieden. Diese gediegene und wohl durchdachte Art des neuen Regierens hat nun ein Marketingkonzept hervorgebracht, das der Grundstein für ein völlig innovatives Österreich-Bewusstsein werden könnte. Der interimistische Leiter der Reitschule, der ehemalige Fernsehsprecher Gerd Prechtl, will Schwung in die verstaubte Bude bringen: Touristen sollen nicht nur eine Vorführung besuchen können, sondern gleich auch ins Geschehen einbezogen werden. Vor der Vorführung ein kleiner Abenteuerausflug in den Stall, und wer es genauer wissen will, soll auf den Lipizzanern auch noch reiten dürfen. Auch im Wiener Prater reiten die Leute ja in exklusiver Atmosphäre im Kreis und zahlen dafür. Das Konzept sollte ausgeweitet werden: Nicht alle Touristen interessieren sich für Pferde. Musisch begabte Gäste könnten vielleicht bald gegen ein kleines Aufgeld an der Staatsoper mitsingen oder bei den Philharmonikern fiedeln. Und politisch interessierte Besucher werden vielleicht an einem Ministerrat teilnehmen. Gegen ein Bakschisch erscheint dann Wolfgang Schüssel singend in der Uniform Kaiser Franz Josephs. (DER STANDARD, Printausgabe 17.1.2001)