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Graz/Unterpremstätten - "Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg gehen." Was Hans Jörg Kaltenbrunner eigentlich sagen möchte: Sein Unternehmen, die AMS (Austria Mikrosysteme International AG) wolle nicht länger darauf warten, ob und wann und ob überhaupt die Bundesregierung die Grenzen für IT-Experten öffnet. AMS-Vorstandschef Kaltenbrunner hat den Spieß umgedreht und sich bei Kaderschmieden im Ausland eingekauft. Jüngstes Beispiel: AMS "privatisierte" ein zehnköpfiges Chipentwicklerteam der Technischen Hochschule Rapperswil am Zürichsee und integrierte den universitären Think-Tank in die AMS. Austria Mikro Systeme Schweiz wurde am Dienstag eröffnet. Kaltenbrunner zum STANDARD: "Von den zehn Experten hätten wir vielleicht zwei dazu bewegen können, zu uns nach Unterpremstätten bei Graz zu kommen. Daher haben wir das ganze Team übernommen und eine eigene Firma vor Ort gegründet, die informationstechnologisch eng mit Graz verknüpft ist. Die Fachkräfte können jetzt in ihrem Heimatort bleiben und doch für uns entwickeln." In den nächsten zwei Jahren soll der neue Schweizer Standort Rapperswil um weitere zehn Mitarbeiter aufgestockt werden. Und auch diese könnten im nahen Uni-Institut rekrutiert werden, denn AMS sponsert für drei Jahre einen eigenen Lehrstuhl für Mikroelektronik und vergibt überdies Forschungs- und Lehraufträge. Ähnlich laufen die Kooperationen in Dresden, Pisa und Graz. In Pisa kaufte sich AMS ebenfalls in die dortige Technische Universität ein, so auch in Dresden, in Graz übernahm AMS eine Designfirma. Dieses expansive Modell der Expertenrekrutierung will Kaltenbrunner weiter ausbauen. "Wir denken jetzt daran, das System auch in die USA zu verpflanzen. Wir müssen reagieren, denn Österreich ist nicht attraktiv genug für Fachkräfte, wohl auch weil wir doch als einigermaßen fremdenfeindlich gelten." AMS hat im Vorjahr mit 1,65 Mrd. S (120 Mio. EURO) um 40 Prozent mehr Umsatz verbucht als im Jahr zuvor. Nach Jahren des Verlustes wird AMS für 2000 erstmals wieder Gewinne schreiben. Prognose: rund 100 Mio. S. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe 17.1.2001)