Bregenz - Der Regierungsbeauftragten für die EU-Erweiterung Erhard Busek (ÖVP) rechnet mit einer EU-Osterweiterung nicht vor 2005. Das sagte der frühere Vizekanzler am Mittwoch bei einem Treffen mit dem Vorarlberger Landtagspräsidenten Manfred Dörler (V). Am Abend sprach Busek in Dornbirn im "Infopoint Europa" über Chancen und Herausforderungen der EU-Erweiterung. Vor einigen Tagen war er mit dem Thema zu Gast bei der bayerischen SPD. Die Hereinnahme der Beitrittskandidaten bringe eine "Normalisierung der Geographie" mit sich und werde eine Zone des Friedens, der Stabilität und Sicherheit schaffen, sagte Busek gegenüber Dörler. Ungarn, Polen, Tschechien und Slowenien sind die erstgereihten Kandidaten, für die Busek als wahrscheinlichen Beitrittszeitpunkt den 1. Jänner 2005 nannte. Der Beitritt werde jedoch in Etappen erfolgen, da vorher Übergangsregelungen für die Bereiche Landwirtschaft, Personenverkehr und Umwelt einzuführen sind. Bei den von Experten auf tausend Milliarden Schilling (72,7 Milliarden Euro) geschätzten Kosten der Osterweiterung handelt es sich laut Busek jedoch nicht um reine Zusatzkosten. Bis 2005 bedürften Spanien, Irland oder auch Portugal keiner EU-Hilfe mehr, und damit würden Mittel für die Osterweiterung frei werden. Floskeln, Floskeln, Floskeln... Der Angst vor einer möglichen Überfremdung hält Busek entgegen, dass nach dem EU-Beitritt Österreichs lediglich drei portugiesische Bauarbeiter nach Österreich gekommen sind. Österreichs Nachbarländer hinter dem ehemaligen "Eisernen Vorhang" seien der zweite Teil Zentraleuropas, an dessen Nahtstelle Österreich liegt, so dass unser Land nach der Osterweiterung seine Randlage verlieren und in die europäische Mitte rücken werde, betonte der Regierungsbeauftragte. Dörler mahnte die inneren Reformen der EU ein. Der Gipfel in Nizza habe gezeigt, dass es hier zu Verzögerungen komme und dringende Änderungen wie die Aufteilung der Befugnisse zwischen den einzelnen EU-Ebenen, der stärkeren Anwendung des Subsidiaritätsprinzipes und die Stärkung der regionalen Strukturen dabei vorläufig auf der Strecke blieben. Auch angesichts der Osterweiterung dürfe es nicht zu einer Machtverschiebung zu Ungunsten kleiner Länder kommen, mahnte der Landtagspräsident. (APA)